OLDENBURG - Joanna Trzeciak macht sich aus dem Staub, als Filip Wojciechowski neben ihr in die Tasten greift. Gegenüber am anderen Flügel drängt Vadim Andreev seine Partnerin Elena Nogaeva sanft beiseite.
Zackig durch Jazz
Also, Schuberts erster Militärmarsch ist den beiden Herren in der klassischen Darstellung der beiden Frauen einfach zu lahm. Filip und Vadim verfremden augenzwinkernd die zackigen Vierviertel durch Jazz-Rhythmen.
Das charmante Scharmützel an zwei Klavieren im Schlosssaal steht für den Wandel des traditionellen Teils der Oldenburger Promenade in 15 Jahren. Neue Ausdrucksformen, präzisere Zuschnitte auf das spezielle Publikum haben das Programm geschärft. Festival-Intendantin Nogaeva hat die anfänglich fast ausufernde Vielfalt klassischer und romantischer Kammermusik gestrafft. Daneben sind aufgelockerte Promenaden-Formen vor allem im Schlossgarten entstanden.
Dem Charakter der Wandelkonzerte hat die Konzentration im Ur-Programmteil nicht geschadet. Im Gegenteil: Die in Augusteum, Schlosssaal und Lambertikirche in Oldenburg gereichten Häppchen fügen sich zu einem abgerundeten Menu. Da mögen die jazzigen Improvisationen, auch zu Tschaikowsky oder Rachmaninow, wegen der Kürze eher hausbacken routiniert ausfallen.
Schmissige Blechbläser
Die klassischen Höhepunkte setzen das Arte-Ensemble aus Hannover mit Beethovens Septett Es-Dur op. 20, das Helch-Quartett aus Berlin mit Dvoraks eingängigem „amerikanischen Streichquartett F-Dur op. 96, das schmissige Blechbläser-Quintett Pentabrass aus Turin, das Franz-Liszt-Kammerorchester aus Budapest und der Weltklasse-Trompeter Gabor Boldoczki.
Farben, Tiefe, Suggestivität erschließen die Streicher und Bläser in Beethovens serenadenhaftem Septett. Die Geigerin Kathrin Rabus führt souverän, ohne einseitig zu dominieren. Oder in Bachs drittem Brandenburgischen Konzert beweisen die auf modernen Geigen, Bratschen und Celli spielenden Ungarn, wie wenig die Wahl alter oder neuer Instrumente eine Rolle spielen muss. Es entscheidet, wie viel von der geistigen Bandbreite und der inneren Logik in Klang und Bewegung umgesetzt wird. Boldoczki treibt die Virtuosität dann bei Torelli und Donizetti auf die künstlerische Spitze.
Unterm Pult muss er hinterher nicht fegen. Es rutschen ihm auch in den turbulentesten Passagen keine Noten hinunter.
