OLDENBURG - Die Feststellung, dass die „Philharmonischen Geigen Berlin“ in ihrer virtuosen Präzision, im homogenen Klang und der gemeinsamen Freude am kultivierten Spaß geschlossen wie „ein Mann“ spielen, trifft nicht zu. Im Ensemble führen sie beim Eröffnungskonzert zur 14. Oldenburger Promenade neben acht Geigern und einem Pianisten auch zwei Geigerinnen. Das fügt sich zu einem Elferrat zusammen, der den ausverkauften Schloss-Saal glänzend und intelligent unterhält.
Der Rumäne Laurentius Dinca hat die Spezialgruppe innerhalb des Paradeorchesters vor 17 Jahren gegründet. Es mag nicht ganz die Berühmtheit jener zwölf Cellisten errungen haben, die fast zeitgleich in Cloppenburg gastieren. Aber das Ensemble „sine basso“ steht im perfekten Können der Formation „sine violini“ in Nichts nach. Wobei „ohne Bass“ nicht ganz stimmt. Die Geigen stützen sich fundamental auf einen unaufdringlich integrierten Klavierpart.
Die Feststellung, dass zehn Geigen ohne Beiwerk nur Kaffeehausmusik produzieren können, gilt auch nicht. Dazu brauchte es einen Schuss Unvollkommenheit, eine Prise Schlamperei. Das verbietet sich auf Violinen im Wert etlicher Millionen Euro grundsätzlich. Selbst ein elegantes Schmieren wie im Tango von Isaac Albeniz wird auf die höchste künstlerische Stufe gehoben.
So geht es mit allen Happen, seien sie nun von de Sarasate, Bruch, Ravel, Glinka, Schostakowitsch oder eigens für die Zaubergeiger von Herbert Baumann. Es ist der warme Ton, der alle bezirzt, die große individuelle Virtuosität, dazu das perfekte Zusammenspiel, die Klangbalance sowie Stilsicherheit in mitteltiefen Musikgewässern. Alle Bearbeitungen sind Kunststücke für sich. Die instrumentale Reduzierung erlaubt stärkere Pointierungen ohne Überzeichnung. Siehe etwa die Fledermaus-Ouvertüre.
Die Feststellung, dass die „Philharmonischen Geigen“ auch Barockmusik vorgeführt hätten, geht eher daneben. Sie bedienen sich barocker Vorlagen bei Vivaldi (a-Moll, op. 3, Nr. 8) und Bach (Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll). Die weichen sie aber auf, indem sie sich wie beim lockeren Plausch die Solostimmen beliebig durchs ganze Ensemble zureichen. Trotzdem: Bachs Largo ma non tanto führt dann doch beseelt zu sich selbst. Zehn Zugaben führen die Berliner im Gepäck. George Enescus erste rumänische Rhapsodie wählen sie für Oldenburg aus – und den hoch schwappenden Beifall kontert ihr Chef mit der Versicherung: „Hier waren wir bestimmt nicht das letzte Mal!“ Einverstanden.
