OLDENBURG - Seine Musik hat die Werkzahl von 100 längst überschritten. Seine Kompositionen, inzwischen in vielen Ländern zu hören, decken ein breites Spektrum der Gattungen ab: Klavier- und Kammermusik, große Sinfonik und Solokonzert, Chormusik und Lied. Rundfunkanstalten haben dem Oldenburger Komponisten Thomas Schmidt-Kowalski ein Forum gegeben; zahlreiche CD-Einspielungen sorgten bisher für gebotene Resonanz.
Die hat sich stets im Spannungsfeld von Begeisterung und Kontroverse bewegt, denn Schmidt-Kowalski, der die Auseinandersetzung mit der Avantgarde längst hinter sich ließ, versteht sich selbst als romantischer Komponist in dieser Zeit. Und ist damit einer der interessantesten, wie man hinzufügen darf.
Dem 62-Jährigen wurde jetzt eine besondere Gabe zuteil: die jüngst an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vollendete, nunmehr in Oldenburg überreichte musikwissenschaftliche Dissertation mit dem Thema „Thomas Schmidt-Kowalski, ein romantischer Komponist an der Wende zum 21. Jahrhundert“.
Autorin ist die in Lünen lebende ehemalige Oberstudienrätin Ursula Eisfeld (71; frühere Unterrichtsfächer Englisch und Sport), die sich für die Musik als Zusatzfach qualifizierte und ihre Doktorarbeit im Rahmen eines Promotions-Aufbaustudiengangs schrieb. Ihre Bekanntschaft mit Schmidt-Kowalski machte sie als Violinistin im Lüner Kammerorchester, das sein Cellokonzert einstudierte. Ein „Schmidt-Kowalski-Festival“ – Vortragsreihe des Komponisten vor Münsteraner Studenten – beförderte den Entschluss, ihn als „Thema“ zu wählen; auch eine Anregung ihres Doktorvaters, des Musikwissenschaftlers, Hochschul-Pädagogen und Organisten Professor Dr. Joachim Dorfmüller, ließ da nicht auf sich warten.
Wer Eisfelds Doktorarbeit studiert, merkt alsbald: Mit Schmidt-Kowalskis „Romantikertum“, seinem Bekenntnis zur Tonalität ist es keine so einfache, lockere Urteile beflügelnde Sache. Lebensgefühl und -erfahrung des Komponisten, kosmische, mythische, spirituelle Kategorien, Begabung für Synästhesie (Farbwahrnehmung bei Tönen) wirken zusammen, beeinflussen Schaffensweise und stilistischen Standort.
Dem biografischen Teil der Arbeit folgen ein kommentiertes Werkverzeichnis (nützlich für Interpreten!), detaillierte Analysen ausgesuchter Werke, chronologische Werkübersicht und eine Diskografie.
