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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Er ist vertraut mit Monstern und Kühen

30.03.2019

Oldenburg /Rastede Eine gewisse Bedächtigkeit im Reden war schon immer typisch für Klaus Beilstein, eine äußerliche Bedächtigkeit, die in keinem Verhältnis zu seiner schier unglaublichen zeichnerischen Produktivität steht. Nun, im Alter von 80 Jahren, gesellt sich dazu noch eine leise Melancholie und Nachdenklichkeit. Es habe ihn „hart getroffen“, sagt er und blickt halb ernst, halb schelmisch über seine randlose Brille, „dass man nicht mehr der Jüngste ist“. Diese Erkenntnis habe ihn jedoch nur angespornt, immer weiter zu zeichnen – „aber die Formate werden kleiner“.

Eröffnung

Die Ausstellung „Klaus Beilstein: 80. Vom Loch Ness zum Ellernteich“ wird an diesem Sonntag um 11.15 Uhr im Palais Rastede, Feldbreite 23, eröffnet. Zur Einführung spricht Dr. Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums Oldenburg.

Zu sehen ist die Retrospektive bis zum 19. Mai. Der zur Ausstellung erschienene Katalog kostet 10 Euro. Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags und sonntags 11–17 Uhr.

Seit nunmehr fast fünf Jahrzehnten zeichnet Klaus Beilstein, was ihm früh den Spitznamen „Klaus Bleistift“ einbrachte. Er ist ein exzellenter Zeichner und weit über Oldenburgs Grenzen hinaus als Künstler anerkannt. Dennoch ist dem Historiker Andreas von Seggern zuzustimmen, der im Katalog zur neuen Ausstellung vermerkt, „dass wohl kein Oldenburger Künstler der Nachkriegszeit bis heute fester im kollektiven Bildgedächtnis der Stadt verankert ist“. Im Palais Rastede ist dem Künstler, der am 24. September 1938 in Delmenhorst geboren wurde, in Moorhausen und Oldenburg aufgewachsen ist, nun eine Retrospektive gewidmet.

„Vom Loch Ness zum Ellernteich“ ist die Schau betitelt. Und tatsächlich entstand die erste Arbeit in Schottland, das er vor rund 50 Jahren mit seiner Frau Heidi in einer „Ente“ durchquerte – auf den Spuren des Ungeheuers von Loch Ness: „Wenn der Nebel aufsteigt, sieht man es auch“, sagt er, wie immer ganz unaufgeregt. Damals zeichnete er noch in Schwarz-Weiß mit einem speziellen Stift und „punktierte“ damit das Papier. Ein mehr als sechs Meter langes Leporello mit abstrakten Spuren und großen Augen des Monsters hängt am Anfang der Schau.

Rund 70 Zeichnungen, chronologisch geordnet, sind auf neun Räume verteilt: Zeichnungen zu Figuren aus der Literatur und dem Theater („Don Quijote“, Bert Brecht und „Die Dreigroschenoper“), Straßenszenen und Landschaften (Jerusalem, Bretagne, Sizilien, Provence), Porträts, „Unbekleidete“ und zum Schluss knubbelig gewachsene Fundstücke vom Rasteder Ellernteich. Alles ins Bild gesetzt mit Feder, Kreide oder Ölkreide, Farbstift oder Pinsel.

Es habe ihm besonderen Spaß gemacht, sagt Beilstein, die Bilder für die Retrospektive aus seinem reichhaltigen Fundus mit allein 2000 Porträtzeichnungen auszusuchen und dabei systematisch vorzugehen. Er habe in den vergangenen Jahren stets ein Drittel weggeworfen, ein Drittel aufgehoben und ein Drittel für gut befunden.

Obwohl Kühe zu seinen Lieblingsmotiven gehören, hat er für die Ausstellung nur eine einzige ausgewählt – im Hintergrund eines Selbstporträts. Auch heutzutage fährt er regelmäßig nach Moorhausen, um die Schwarzbunten „mit den wunderschönen Augen“ auf der Weide zu zeichnen. Dann komme er stets „wie gereinigt zurück“, sagt der 80-Jährige.

Tierische Anknüpfungspunkte hatte seine Kunst schon in den 70er Jahren, als er gemeinsam mit Manfred Räber, Volker Kuhnert, Hans Dieter Bunjes, Udo Reimann und Bernd Wagenfeld in Oldenburg die Künstlergruppe „Kranich“ gründete, benannt nach Graf Anton Günthers Lieblingspferd. Damals machten sie mit spektakulärer Aktionskunst, etwa mit einem 4,5 Meter langen „Kranichmobil“ und einer Pyramide aus gepresstem Fahrradschrott von sich reden.

Er müsse jetzt häufig zu Beerdigungen gehen, sagt Beilstein melancholisch. Und so ist er froh, dass es seine „Kranich“-Kollegen „alle noch gibt“.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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