OLDENBURG - Der eine oder andere hat es bestimmt schon einmal erlebt. Man wurde zufällig Zeuge eines Verkehrsunfalls. Kurze Zeit später kommt es zum Prozess. Obwohl völlig schuldlos und nur als Zeuge beteiligt, überkommt einen eine seltsame Nervosität. Und spätestens, wenn das Gerichtsgebäude betreten wird, entsteht das Gefühl, als müsse man in wenigen Minuten auf der Anklagebank Platz nehmen.
Woher kommt sie nur, diese Angst vor der Justiz? Für Dr. Antje Jaspert, Pressesprecherin am Oberlandesgericht Oldenburg, ist der Fall klar: „Die meisten wissen viel zu wenig darüber, was wir eigentlich machen.“
Transparenz schaffen
Dies soll sich nun ändern. Mit dem „Tag der Justiz“ am Sonnabend, 5. September, öffnen die Oldenburger Justizbehörden von 10 bis 16 Uhr ihre Türen, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Zahlreiche Aktionen im Gerichtsviertel (Elisabeth-, Gerichts- und Mozartstraße) sollen den Bürgerinnen und Bürgern die Arbeit der Gerichte näher bringen. „Wir wollen transparenter werden und ein Verständnis darüber wecken, wie die Verfahren ablaufen“, betont Jaspert. Erreicht werden soll dies unter anderem durch zahlreiche Gerichtsverhandlungen. Die Richter sind echt, die Fälle leicht abgeändert, Kläger und/oder Angeklagter werden von Justizbediensteten gespielt. Die Gäste bekommen so einen Eindruck davon, wie Prozesse am Straf-, Arbeits-, Familien- oder auch Sozialgericht aussehen.
Öffentliche Versteigerung
Ein weiterer Höhepunkt ist die Versteigerung aus der Asservatenkammer, also von beschlagnahmten und sichergestellten Gegenständen. Infos zur Arbeit der Justiz sowie ihrer angeschlossenen Institutionen wie Schuldnerberatung und Bewährungshilfe runden das Programm ab.
Prominenter Gast ist Bernd Busemann. Der niedersächsische Justizminister wird sich auf der Podiumsdiskussion ab 14 Uhr Fragen zum Thema „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen?“ stellen. Weitere Teilnehmer sind Gunars Reichenbachs, stellvertretender Chefredakteur der NWZ , Generalstaatsanwalt Horst-Rudolf Finger und Rolf Lübben, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts. Moderator ist Dr. Gerhard Kircher, Präsident des Oberlandesgerichts.
