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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bruce Robinson kommt nach Oldenburg

18.08.2018

Oldenburg Als „vernachlässigtes Genie des britischen Kinos“ soll ihn die Kritik geadelt haben, nun wird der Autor, Regisseur und Schauspieler Bruce Robinson mit der Retrospektive beim Oldenburger Filmfest geehrt. Robinson, der unter anderem das Drehbuch für das gefeierte Kriegsdrama „The Killing Fields“ geschrieben hat, wird während des gesamten Festivals – also vom 12. bis 16. September – in Oldenburg zu Gast sein und acht seiner Filme vorstellen.

Selbst wenn er nach seinem quasi-autobiografischen Spielfilmdebüt „Withnail and I“ (1987) nie einen weiteren Film gedreht hätte, sein Kultstatus in den Annalen der Filmgeschichte wäre gesichert. "Der ikonischste coole Film der Welt", schrieb Matthew Barnett vom Independent 2017 anlässlich des zwanzigsten Jubiläums des Films. 1985, zwei Jahre vor seinem Debüt als Regisseur, wurde mit „The Killing Fields“ Robinsons erstes Drehbuch verfilmt und zu einem Welterfolg. Robinson gewann den BAFTA Award und wurde für den Oscar nominiert.

In Oldenburg werden gezeigt: „Romeo and Juliet“ (1968), „The Story of Adele H“ (1975), „Kleinhoff Hotel“ (1977), „The Killing Fields“ (1984), „Withnail and I“ (1987), „How To Get Ahead in Advertising“ (1989), „Jennifer 8“ (1992) und „The Rum Diary“ (2011).

Doku: The Peculiar Memories Of Bruce Robinson

Robinson startete mit einer Schauspielausbildung an der London’s School of Speech and Drama in die Filmbranche. Sein Debüt als junger Darsteller verschaffte ihm 1968 mit der Rolle des Benvenio in Zeffirelli’s „Romeo und Julia.

„Die Geschichte der Adèle H.“ – oder: Schauspiel adé

Robinsons Erfahrungen als Schauspieler und seine Unzufriedenheit mit den Drehbüchern veranlassten ihn in den Siebzigern dazu, selber zu schreiben. Dabei hatte er zuvor immerhin die Hauptrolle in Francois Truffauts „Die Geschichte der Adèle H.“ (1975) neben Isabelle Adjani ergattert. Sein „Whithnail“-Star Richard E. Grant erinnert sich an einen „unglaublich gutaussehenden, rock’n’roll-artigen Mann – der ein mieser Schauspieler war.“ Gelobt wurde später vor allem Adjani, Robinson erkannte eher, dass seine Talente woanders liegen. Übrigens: Wenn Robinson seine Drehbücher schreibt, spricht die Dialoge laut mit. „Wenn ich es sprechen und mit Leben füllen kann, dann können es meine Schauspieler auch“, erklärt Robinson seine Übung und kokettiert dabei mit seinem angeblich mäßigen schauspielerischen Talent.

Autor von „The Killing Fields“

Gefangen in den Erfahrungen seiner schwierigen Kindheit, kombinierte Robinson Schmerz und Witz auf eine solch unverwechselbare Art und Weise, die ihn als etwas Einzigartiges auszeichnete und ihm die Aufmerksamkeit und dann die Unterstützung des Produzenten David Puttman einbrachte - der schließlich „The Killing Fields“ produzierte. Die Oscarnominierung ermöglichte Robinson mehr Kontrolle über seine Skripts und den Schritt hinter die Kamera, um bei der düsteren Komödie "Whitnail and I“ Regie zu führen.

Kultkomödie: „Withnail & I“ ist „Ealing auf Acid“

Mit „Withnail & I“ gelang Robinson eine Kultkomödie. Sein Hauptdarsteller Richard E. Grant („Game of Thrones“) wurde über Nacht zum Star und der Film landete als die große Entdeckung auf den Listen von Cineasten weltweit. „Ealing auf Acid“, urteilte etwa der britische Produzent Stephen Wolley über den Film. Ealing, das ist das altehrwürdige britische Filmstudio im Londoner Stadtteil Ealing, das den britischen Humor über Jahrzente geprägt hat (Ladykillers).

Hollywood: „Jennifer 8

Natürlich wurde Hollywood zu einer ganz anderen Geschichte. „Jennifer 8“ (1992) mit Uma Thurman und Andy Garcia war sein dritter Film, bei dem er sowohl als Autor als auch Regisseur fungierte. Hochzufrieden mit dem Ergebnis musste er dann mit ansehen, wie Paramount begann den Film nach mehreren Testscreenings zu verstümmeln. Robinson zog sich aus dem Filmgeschäft zurück und besann sich auf seine Liebe zum Schreiben. Die Literatur sicherte ihm die Kontrolle über sein Schaffen.

„The Rum Diary“ mit Johnny Depp und Amber Heard

Sechs Jahre später kehrte er als Drehbuchautor von Neil Jordans „In Dreams“ zurück und wurde erneut von radikalen Änderungen desillusioniert, die von Regisseur und Produzenten vorgenommen wurden. Nur einer der größten Superstars der Welt, sein Freund Johnny Depp, konnte ihn aus seinem Film-Ruhestand holen, um 2011 Hunter S. Thompsons „The Rum Diary“ zu adaptieren. Mit dem Versprechen von voller Kontrolle und Sicherheit sollte sein zweites Studioprojekt eine seiner besten Erfahrungen werden.

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