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Kibum-Interview mit Sasa Stanisic „Der Moment des Vorlesens ist eine Rückkehr zum Kind“

Nathalie Meng
„Ich steige in ein Taxi und fahre... am Ende immer zurück, zurück zu dir!“ Erfolgsautor Saša Stanišic schreibt jetzt auch Kinderbücher – gemeinsam mit seinem Sohn Nikolai.

„Ich steige in ein Taxi und fahre... am Ende immer zurück, zurück zu dir!“ Erfolgsautor Saša Stanišic schreibt jetzt auch Kinderbücher – gemeinsam mit seinem Sohn Nikolai.

Oldenburg - Saša Stanišić kam 1992 mit 14 Jahren als Flüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Heidelberg. Er sprach kein Wort Deutsch. Heute ist er einer der erfolgreichsten jungen deutschen Schriftsteller, 2019 erhielt er für seinen Roman „Herkunft“ den Deutschen Buchpreis. Zuletzt betrat er neue Wege – auf dem Terrain der Kinderliteratur. Mit dem Video zu seinem ersten Kinderbuch „Hey, hey, hey, Taxi!“, sind Saša Stanišić und sein Sohn Nikolai im digitalen Programm der Oldenburger Kibum vertreten.

2019 haben Sie den Deutschen Buchpreis gewonnen, jetzt bringen Sie ein Kinderbuch nach dem anderen heraus, allein zwei in diesem Jahr. Wie kam’s?

Saša Stanišić: Ich trenne da gar nicht so. Der einzige Unterschied ist, dass das eine ein klares Zielpublikum hat: Kinder. Der Arbeitsprozess ist aber sehr ähnlich. Ich setze Sätze aneinander und baue damit Geschichten, und ich mache in meinem Leben nichts lieber als Geschichten zu bauen. Für wen die sind, ist für mich zweitrangig.

Ihr Sohn Nikolai ist sechseinhalb. Wenn Sie die Geschichten nicht gerade

Saša Stanišic´mit Video bei der Kibum 2021 dabei

Saša Stanišic´ wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Erzählungen und Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem dem Preis der Leipziger Buchmesse für „Vor dem Fest“ (2014), dem Deutschen Buchpreis (2019) sowie dem Eichendorff-Literaturpreis (2020) für „Herkunft“ und dem Schiller-Preis der Stadt Marbach (2021). Er lebt und arbeitet in Hamburg. Für „Hey, hey, hey, Taxi!“ erhielt er mit seinem Sohn Nikolai den Literaturpreis „Hamburger Tüddelband“.

Ein Video zu dem Buch (erschienen im Mairisch Verlag) ist auf der Webseite der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse Kibum zu sehen, die bis zum 23. November größtenteils online stattfindet. „Panda Pand“, Saša Stanišićs zweites Kinderbuch, erschien bei Carlsen.

Hier geht’s zur Kibum-Seite mit dem Taxi-Video und weiteren Videos, unter anderem Kibum-Lesungen mit renommierten Autorinnen und Autoren: Kibum 2021

selbst erfinden – was lesen Sie ihm am liebsten vor?

Saša Stanišić: Ich mag es sehr, wenn zwischen den Zeilen auch Unterhaltung für Erwachsene eingebaut ist. Natürlich ist das Kind Hauptpunkt des Interesses, und jeder Satz in dem Buch soll etwas für das Kind bedeuten. Ich ­verstehe Literatur für Kinder aber nicht als reine Einschlafhilfe. Vorlesen ist mehr als nur eine Dienstleistung, es ist eine Erweiterung unseres Miteinanders, unserer Kommunikation mit dem Kind.

„Hey, hey, hey Taxi“, wozu es auch ein Video für die Kibum gibt, haben Sie gemeinsam mit Ihrem Sohn ­geschrieben. Wie war die Zusammenarbeit?

Saša Stanišić: Sehr konstruktiv! Die Idee entstand bei einer Geburtstagsparty. Die Kinder waren aufgedreht, die Stimmung drohte zu kippen. Spontan erzählte ich ihnen eine Geschichte, die fing so an: „Weißt du, was mir heute passiert ist? Ich bin in ein Taxi gestiegen, und dann war da ein Riese, der hat die ganze Elbe weggetrunken“ und so weiter. Mein Sohn wollte am nächsten Tag noch „so eine Taxi-Geschichte“. Also erzählte ich ihm noch eine und noch eine, und er erzählte bald mit, brachte eigene Ideen ein. Aus fast 100 Geschichten, die ich aufgezeichnet hatte, wählte ich ein Best-of aus und schrieb sie auf. So ist das Buch entstanden. Ich sehe Nikolai als Co-Autor, weil er an vielen Geschichten mitgewirkt hat.

Buchcover von „Hey, hey, hey, Taxi!“ Bild: www.mairisch.de

Buchcover von „Hey, hey, hey, Taxi!“ Bild: www.mairisch.de

Das Buch ist sehr witzig, aber auch sehr rührend: Am Ende fährt der Erzähler immer „zurück, zurück zu dir“. Warum diese wiederkehrende Formel?

Saša Stanišić: Mein Sohn war noch sehr klein, als ich für Lesungen oft abwesend war. Die Reisen begannen meist damit, dass ich ins Taxi stieg und er am Fenster stand und winkte. Das hat mich immer zerrissen. Ich glaube, viele Eltern kennen das und es belastet alle. Dieses „zurück zu dir “ ist deshalb ein wichtiges Signal: „Ich bin jetzt da, alles wird gut, wir sind ­wieder Team und erzählen uns unsere Geschichten.“ Man muss diese Formel gar nicht vorlesen, aber sie ist eine ­Erinnerung daran, dass der Moment des Vorlesens eine Rückkehr zum Kind ist. Selten ist man dem Kind näher: ­gemeinsam eingekuschelt im Bett, und die Sorgen des Tages sind Geschichte.

„Hey, hey, hey, Taxi!“ Saša Stanišić und sein Sohn Nikolai haben sich zusammen viele Taxi-Geschichten ausgedacht. Bild: Martin Jäschke

„Hey, hey, hey, Taxi!“ Saša Stanišić und sein Sohn Nikolai haben sich zusammen viele Taxi-Geschichten ausgedacht. Bild: Martin Jäschke

In Ihrem zweiten Kinderbuch, „Panda-Pand - Wie die Pandas mal Musik zum Frühstück hatten“, geht es um Pandas, die eine Band gründen, ihre Instrumente – Flöten aus Bambus – zum Teil aber vernaschen. Wie kamen Sie auf Pandas?

Saša Stanišić: Ich liebe Pandas! Fand sie als Kind niedlich, später interessant, heute beschäftige ich mich mit den Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. Das alles – Zuneigung, Neugier, Artenschutz – habe ich nun endlich in eine Geschichte ummünzen dürfen.

Der Ursprung des Buchs liegt bei Twitter. Peter Breuer twitterte zu einem Bild eines Pandas, der einen Bambus wie eine Querflöte hält: „Idee für ein Kinderbuch, in dem eine Gruppe von Pandas ein Querflötenorchester gründet, dessen Konzerte jedoch regelmäßig ausfallen, weil undisziplinierte Musiker*innen ihre Instrumente verzehren.“ Sie legten sofort los. Mussten Sie überhaupt nicht überlegen?

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Saša Stanišić: Bei meinem Sohn war gerade das Thema Lernen durch Üben präsent. Ich fand die Idee schön, das zu einem Buch zu machen: wie Talent für etwas zu etwas Schönem führen kann. Aber auch, dass das gar nicht immer so einfach ist, etwa wenn man ständig zum Üben und so weiter gedrängt wird. Als der Tweet kam, dachte ich: „Das passt ja wunderbar: Musizierenlernen, Pandas – super, da sind sie wieder!“ Ich fing direkt an zu schreiben, innerhalb eines ­Tages hatte ich die grobe ­Geschichte erzählt.

Im Panda-Buch schreiben Sie: „Preiselbeeren sind leckerer als Preise. Außerdem waren das Erwachsenenbücher. Was zählt, ist für Kinder. Und für Pandas. Das hier.“ Schreiben Sie anders, wenn Sie für Kinder schreiben?

Saša Stanišić: Beim Erzählen für Erwachsene habe ich meist eine bestimmte Figur, die auf eine bestimmte Weise über die Welt nachdenkt. Aus diesem Nachdenken heraus erzähle ich meine Geschichten. Bei den Taxi-Geschichten gibt es ein unklares Ich, keinen Bedenkenträger. Das Moralische oder Ethische muss schon in der Geschichte drin sein, nicht in den Charakteren. Der größte Unterschied – und auch die größte Schwierigkeit – ist es auszutarieren, dass es nicht zu offensichtlich so eine pädagogische, didaktische Geschichte ist, bei der das Kind unbedingt etwas lernen soll. Trotzdem mache ich das ja auch, versuche aber, das Didaktische subtil zu formulieren. Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit an Kinderbücher bestand darin, den größtmöglichen Spielraum an Deutungen zuzulassen, also auch viele auf eine konstruktive Weise offene Motive/Figuren/Ideen reinzubauen. Mein Sohn liebt etwa das Absurde, und seien wir ehrlich: Gibt es etwas Schöneres als mal so richtig einzutauchen in verrückte Kinderwelten?

Mehr zur Kibum gibt es hier.

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