OLDENBURG - Für Oldenburgs Kastanien ist mitten im Sommer schon Herbst: Die Bäume haben die Motten, genauer: die Miniermotten (Cameraria ohridella). Und die machen den Bäumen mehr zu schaffen als etwa die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen. Daher tragen die Blätter schon herbstliches Braun.

Wie andere Motten Seide oder Wolle lieben, so mögen Miniermotten Kastanienblätter, besonders die der weißblühenden Rosskastanie. Wie Stadtsprecherin Swantje Engel von den Fachleuten des Fachdienstes Stadtgrün erfuhr, werden an der rotblühenden Rosskastanie zwar auch Eier abgelegt, aber die Raupen sterben beim Versuch, sich in das Blattgewebe zu bohren. Seit etwa sieben Jahren macht sich der bräunlich-metallisch schimmernde Kleinschmetterling, der erst 1984 in der Nähe des Ohrid-Sees entdeckt wurde, auch über die Oldenburger Kastanien her. Nach Angaben von Swantje Engel ist der Bestand aber nicht gefährdet. Die Gärtner haben beobachtet, dass die Früchte der Kastanien kleiner werden.

Die Falter mit sieben Millimeter Flügelspannweite leben etwa drei Wochen. Die Weibchen kleben bis zu 300 Eier auf die Blätter. Dann schlüpfen die Larven und fressen sich unter die Blattoberhaut. Im Gewebe legen sie die „bräunlichen Minen“ (daher Miniermotte) an. Die Folge: Die Blätter verfärben sich und fallen ab. Lässt man das Laub liegen, hat man im kommenden Jahr noch mehr Motten.

Daher, so Swantje Engel, werden die Blätter zusammengeharkt und zur Deponie gefahren, um die Generationenfolge zu unterbrechen.

Auch Oldenburgs stattliche Platanen haben gelitten, etwa jene beim Theater. Bei der Stadt vermutet man, dass es noch Spätfolgen des langen Winters sind, die den Bäumen zu schaffen machen.