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Laster umgekippt – Sperrung der A1
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Aktualisiert vor 29 Minuten.

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Laster umgekippt – Sperrung der A1

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Theater auf den Spuren des Fernsehflachsinns

26.02.2018

Oldenburg Wir gucken in die Glotze. Wortwörtlich: Die Bühne der Exerzierhalle des Staatstheaters rahmt ein riesiger Fernseher ein. Prompt kommt, was der Titel „Dokusoap. Episode 451“ ja auch verspricht: eine nachgespielte Dokusoap. Also eine jener Dokumentar-Seifenopern, mit denen unser Privatfernsehen die Zuschauer verblödet.

Acht wunderbar engagierte, junge Schauspieler erzählen, spielen, singen im Affenzahn eine Geschichte, die wie eine Fernsehsendung aufbereitet ist – eine Folge von „Zuhause im Glück“ auf RTL 2. Das ist jene Sendung, die regelmäßig zeigt, wie Ruinen in Traumhäuser verwandelt werden, so dass sich arme Familien am Ende heulend vor verordnetem Glück in den Armen liegen.

In Oldenburg spielen die Darsteller sowohl die Fernsehleute samt Handwerkern als auch die kinderreiche, kranke und ärmliche bayerische Familie, die mit ihrer Bruchbude ins Glück befördert wird. Wir erleben, wie das Elend in acht Tagen zum Glänzen gebracht wird. In der Exerzierhalle geschieht das mit schnellen Schnitten, nachempfundenen Werbepausen, reichlich Umbauten und exzessiven Lichtspielen, dazu choreografischen Ansätzen sowie mit nervöser, leicht barockiger Musik von Björn SC Deigner und täuschend echter Moderation.

Freilich erschöpft sich die Groteske und Parodie recht bald. Warum? Weil im Grunde offene Türen eingerannt werden. Glaubt wirklich jemand, diese Art von TV-Sendung sei authentisch? Heutzutage das Falsche im Privatfernsehen entlarven zu wollen, ist naiv. Und so richtig witzig ist die Oldenburger Inszenierung dann auch nicht. Eine Überhöhung oder Verbindung zu klassischen Tragödien oder Mirakelspiel, wie von der Regisseurin Luise Voigt gewünscht, wirkt zudem aufgesetzt. Dem Fernseh-Flachsinn lässt sich einfach kein Theater-Tiefsinn abgewinnen.

Eine Pause wagte man in „Dokusoap. Episode 451“ nicht zu machen. So ziehen sich die 100 Minuten hin. Einzig die Schauspieler sind zu loben, die alles hervorragend in verschiedenen Rollen umsetzen, und etwa in einer Szene die berühmten „Wolgatreidler“ von Maler Ilja Repin schweißtreibend im Bild nachstellen – eindrücklich und unvergesslich.

Weil es sonst nicht so viel über diesen Theaterabend zu erzählen gibt, seien sie daher namentlich aufgezählt: Rajko Geith, Lea Gerstenkorn, Fabian Kulp, Alexander Prince Osei, Johannes Schumacher, Nientje C. Schwabe, Katharina Shakina und Lukas Winterberger.


Alle NWZ-Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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SC Deigner | Staatstheater Oldenburg | RTL II

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