OLDENBURG - Schlagwerk Nordwest hat den Wettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen. Auch Piccolo Percussion war erfolgreich.

Von Karsten Krogmann

OLDENBURG - Er hätte es natürlich ganz korrekt machen können. Hätte von Gebäudetrakt A sprechen können, von Haus 9 und von Raum 20, und dann hätte man ihn bestimmt gefunden. Axel Fries mag es aber praktisch, und deshalb sagt er nur: „Gehen Sie einfach dem Geräusch nach.“

Da trommelt es und klappert, es klingelt und es scheppert, und plötzlich ruft Axel Fries: „Stopp!“ Der 51-Jährige muss etwas erklären, denn so einfach ist das nicht mit Siegfried Fink und seinem Werk „Tangents“: Statt Noten stehen da auf dem Blatt überall dicke Balken, statt Taktstriche gibt es Sekundenanzeigen, und auch sonst sieht die Komposition von 1973 ganz schön kompliziert aus.

René nimmt die Hände von den Bongos, Lukas schlägt nicht mehr auf die Kuhglocken, alle lauschen gebannt ihrem Lehrer. Denn wenn Axel Fries ihnen etwas erklärt, bekommen sie später meistens einen Preis: Gerade erst hat das Schlagzeug-Ensemble Schlagwerk Nordwest wieder einmal den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Freiburg gewonnen, unde Nachwuchs-Gruppe Piccolo Percussion belegte in ihrer Altersgruppe Platz 2.

„Wir haben eben einen guten Lehrer“, sagt Henning Ahlrichs (20). Daniel Hansen (18) und Freerk Jürgens (18) nicken; gemeinsam haben die drei in Freiburg die Höchstpunktzahl erreicht. Axel Fries lächelt, er hat eine andere Erklärung für den Erfolg: „Auf die Programmauswahl kommt es an“, verrät er, „man muss nämlich in 15 Minuten möglichst viel zeigen: Vielseitigkeit, Instrumentenvielfalt, Technik.“ Also sucht er ständig nach ausgefallenen Kompositionen, von Siegfried Fink zum Beispiel, von Karlheinz Stockhausen und häufig auch von Axel Fries.

„Stockhausen“, erinnert sich Daniel, „das war schon hart.“ Richtig erarbeiten mussten sich die jungen Schlagzeuger den modernen Komponisten damals, und Freerk gibt zu, sich diese Musik auch heute „nicht unbedingt zu Hause auf dem Sofa“ anzuhören. Sechs Jahre ist es her, seit das Schlagwerk mit Stockhausen bei „Jugend musiziert“ erstmals abräumte. „Seitdem“, sagt ihr Lehrer, „ist Oldenburg ein Begriff in der Szene.“

Leider sind die drei Schlagwerker inzwischen zu alt, um auch noch den nächsten „Jugend musiziert“-Wettbewerb zu gewinnen. Weiter geht es trotzdem: Demnächst spielen sie in der Ansgarikirche, und bald erscheint auch ihre von Radio Bremen produzierte CD „Tierkreis“, natürlich mit Musik von Stockhausen und von Axel Fries.

Und dann gibt es da ja auch noch Piccolo Percussion. Benny Hein (11), Matthias Kelemen (15), René Kretschmer, Lukas Paetzold und Leo Hajek (alle 13) sollen bald das Schlagwerk Nordwest übernehmen. Deshalb stehen sie da mit den Großen im Gebäude A9, Raum 20, und üben immer wieder Finks „Tangents“. Es gibt schließlich noch viele Wettbewerbe zu gewinnen.

„Das hilft“, weiß der praktische denkende Fries nämlich. Seit Jahren ärgert sich der frühere Solo-Pauker des Staatsorchesters über die mangelhafte Ausstattung der norddeutschen Musikschulen. „Wer gute Musik machen will, braucht aber gute Instrumente“, erklärt Fries, „und wer gute Instrumente haben will, braucht gute Sponsoren. Und die findet man am leichtesten, wenn man Preise vorzeigen kann.“

Das Schlagwerk Nordwest hat Sponsoren gefunden.