OLDENBURG - Am Ende war die Begeisterung groß. Das Publikum im Schloss überschüttete das Ventapane Quartett geradezu mit Ovationen – gewiss nicht alltäglich im Rahmen eines Kammerkonzerts.
Gründe für solchen Zuspruch hatten die Musiker zuvor reichlich geliefert. Lev Gelbard und Birgit Rabbels (Violinen), Christoph Rabbels (Viola) und André Saad (Violoncello) fokussierten auch in ihrem dritten „Schlosskonzert“ die russische Kammermusik des 19. Jahrhunderts. Dabei konnten die Vier – jeweils Mitglieder des Oldenburgischen Staatsorchesters – aus ihrer höchst soliden Quartettkultur schöpfen. Gemeinsam geatmete Phrasierungen, ausgefeilte Abschlüsse und eine erstklassige Quartett-Intonation stellen die blendende Grundlage dieses Ensembles dar, über der die Ventapanes eine sehr eigene Klanglandschaft entfalteten.
Hörbar wurde diese schon in Sergei Rachmaninows ganz früher „Romanze“, deren schmachtende Wehmut vom Ventapane Quartett mit dunklen Streicherklängen ausgemalt wurde. Vollends zur Geltung kam der Ventapane-Sound dann in Anton Arenskis Streichquartett op. 35a. Arenski hatte dieses Werk 1894 als Hommage an den gerade verstorbenen Pjotr Tschaikowsky konzipiert, im Zentrum stehen umfängliche Variationen über ein Thema aus Tschaikowskys 16 Kinderliedern op. 54. Die Musiker machten darin nicht nur Arenskis Humor deutlich, sondern vor allem dessen Sinn für Kontraste und Klangfarben.
Höchst individuell erklang dabei die jeweilige Tongebung der vier Streicher, die sich im Ensemble zur wirkungsvollen Mischung vereinte. Differenzierend und wandlungsfähig, dazu äußerst tonschön gestaltete Cellist André Saad, während die präsenten Mittelstimmen den Quartettklang ins Warme verschoben. Über diesem Klangbett erhoben sich dann die emotionalen Soli von Primarius Lev Gelbard.
Etwa im expressiven Beginn von Tschaikowskys Streichquartett Nr. 3 op. 30, dessen Klagegesang Gelbard mit glühendem Ton und exzessivem Vibrato ausgestaltete. Durch das Farbenspiel der vier Ventapanes wurde die Trauermusik des Andante zum ergreifenden Höhepunkt. Den Ovationen des Publikums begegneten die Musiker schließlich mit zwei Zugaben.
