OLDENBURG - Zur Begrüßung gabs erstmal deftig-deutsche Küche: Braten mit Kartoffeln, hinterher ein paar saure Gurken. „Darauf habe ich mich riesig gefreut“, sagt Janna Müller und lacht.
Die 28-Jährige lebt seit drei Jahren in Asien, nun ist sie für ein paar Tage auf Heimaturlaub in ihrer Geburtsstadt Oldenburg.
„Man lernt das Zuhause erst richtig schätzen, wenn man mal einige Zeit lang weg war“, sagt Janna Müller, die es nach ihrem abgeschlossenen Logopädie-Studium im September 2008 in die Welt hinaus zog. Ohne konkrete Aussicht auf einen Job machte sie sich kurz entschlossen auf nach Singapur in Südostasien. „Ich hatte einfach Lust auf ein Abenteuer“, erinnert sie sich. Nach kurzer Suche fand sie eine Anstellung in einem Krankenhaus.
Dort stellte die 1,76 Meter große Blondine im wahrsten Sinne des Wortes eine echte Ausnahmeerscheinung dar – sie war die einzige „Westlerin“ im gesamten Krankenhaus. „Die Patienten haben am Anfang ziemlich große Augen gemacht“, verrät die Logopädin, die sich um ältere Menschen mit Schluckbeschwerden kümmerte. Obwohl äußerlich ein Exot, fühlte sich Janna Müller sehr schnell heimisch an ihrem neuen Arbeitsplatz. „Alle waren sehr freundlich zu mir“, meinte sie.
Toleranz habe sie in Singapur aber auch in ihrem Alltag gespürt. So würden die Einheimischen sehr offen mit anderen Nationalitäten, Kulturen oder Religionen umgehen. Dies und der Umstand, dass in dem kleinen Stadtstaat recht viele Deutsche leben, machten es ihr leicht, sich einzuleben und Kontakte zu knüpfen. „In Singapur ist es ähnlich wie in Deutschland. Friedlich, organisiert, sauber und grün“, zählt Janna Müller auf und ergänzt lachend: „Die feiern sogar Oktoberfest. Stilecht mit Holztischen, Bänken und bayrischer Kapelle.“
Nach eineinhalb Jahren in Singapur kündigte Janna Müller ihren Job im Krankenhaus und zog nach Bangkok, der Hauptstadt Thailands. „Ein Kulturschock“, wie die 28-Jährige bemerkt. Laut, bunt, chaotisch: Bangkok habe sie in vielerlei Hinsicht wie das Gegenteil von Singapur empfunden. „Aber die Stadt hat unheimlich viel Seele“, beschreibt die Oldenburgerin, die in der Millionen-Metropole in einem Therapiezentrum und an einer Privatschule mit Kindern mit Sprachstörungen arbeitet. Vor allem beeindruckte sie die Freundlichkeit der Thailänder: „Zunächst einmal bekommst du von jedem Menschen ein Lächeln geschenkt. Danach musst du dir es aber verdienen“, erzählt sie.
Ein Abenteuer für sich sei der Verkehr in Bangkok. „Dort gibt es Motorrad-Taxis. Auf die springt man einfach hinten drauf. Ohne Helm“, denkt Janna Müller lächelnd an einige halsbrecherische Touren durch den blechernen Großstadt-Dschungel zurück.
Generell glaubt die Logopädin durch ihre Erfahrungen in Asien gelassener geworden zu sein. „In Asien kommt man mit der direkten deutschen Art nicht weit“, erklärt sie. Stattdessen müsse man sich in Streitfragen zurücknehmen und einen ruhigen Ton anschlagen „Und immer lächeln“, fügt sie hinzu. „Dann kommt man auch ans Ziel.“
Am 6. August fliegt Janna Müller wieder zurück nach Bangkok, dann übernimmt sie in der Privatschule eine Vollzeitstelle. Heimweh habe sie selten. Und wenn doch, würde der Besuch im deutschen Restaurant „Bei Otto“ Abhilfe schaffen. „Da esse ich dann einen Rhabarber-Kuchen. Danach geht es mir immer besser.“ Es muss ja nicht immer Braten mit Kartoffeln sein.
