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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Aufbrausen ohne grob zu werden

22.01.2018

Oldenburg Stinken würde diese Musik, wenn man Stinken nur hören könnte. Derart anrüchig fand der berüchtigte Kritiker Eduard Hanslick das Violinkonzert von Peter Tschaikowsky. Diesen alternativen Fakt hat er 1878 zwar nicht massenhaft über eine Nachrichtenplattform verbreitet. Doch auch die gedruckte Weitergabe reichte, um genau die gegenteilige Bewertung zu provozieren: Das Opus 35, D-Dur, wurde auf Anhieb ein Renner.

Schlechte Luft herrscht im Großen Haus also überhaupt nicht, wenn der brillante Geiger Emmanuel Tjeknavorian (22) und das Staatsorchester sich auf das musikalische Hochseil schwingen. Der Wahl-Wiener und der Dirigent Hendrik Vestmann lüften im 4. Sinfoniekonzert die drei Sätze 40 Minuten lang erfrischend durch. Technische Vertracktheiten hemmen nie Emotionen, Poesie und Charme. Das Gefüge wird fest gezimmert. Keiner verirrt sich in Tschaikowskys Gefühlswald, obwohl die Wegverläufe geheimnisvoll bleiben.

Tjeknavorian trifft mitreißend den Tonfall modernen Tschaikowsky-Spiels. Er gleitet nie in Kitsch ab, zieht sich aber auch nie auf eine distanzierte Gestaltung zurück. Schöne Stellen kostet er genüsslich aus, auch schon mal gefährlich breit. Vor allem lebt sein Spiel von der Kunst feinsten Aufhellens und Abdunkelns. Da ist es manchmal schade, wenn die Holzbläser den Atem des Solisten nach ausgehauchtem Pianissimo nicht immer nahtlos aufnehmen und etwas abrupt hineingleiten. Sonst aber zeigt sich das Orchester in Hochform. Schon die einleitende Ouvertüre zur Oper „Legenda Baltyko” des Polen Feliks Nowowiejski zum Untergang der Stadt Vineta von 1924 erweist sich als virtuoses Schaustück: Mit vielfältigen Schattierungen, mit Aufbrausen ohne grob zu werden.

In Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie A-Dur op. 92 erzeugt Vestmann eine Energie, mit der man Stadtteile eine Weile mit Strom versorgen könnte. Die Musik rastet im Finalsatz förmlich aus. Dabei behält der Generalmusikdirektor immer die Details im Blick. Auch der Trauermarsch erhält eine bohrende Dringlichkeit. Es ist insgesamt ein ereignisreicher Parforceritt. Den kann man mit diesem Orchester immer wagen.

Doch kurios bei all diesem Klangrausch: Tief im Ohr nimmt man auch das Kinderliedchen „Das Murmeltier” von Beethoven mit nach Hause. Tjeknavorian hat es als Zugabe gespielt.

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