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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Sinfoniekonzert: Energie für eine ganze Siedlung produziert

06.11.2017

Oldenburg Arroganter Fatzke! Das Urteil Felix Mendelssohns über seinen Kollegen Franz Berwald fiel deutlich aus. Vielleicht trug ja das wenig verbindliche Auftreten dazu bei, dass der Schwede (1796–1868) erst am Ende seines Lebens als großer Komponist Anerkennung fand. Dabei: Seine frische, lichte, melodiöse und trotzdem dramatische Musik bezirzt jeden Hörer. Hendrik Vestmann und das Oldenburgische Staatsorchester demonstrieren das im 2. Sinfoniekonzert.

Der Generalmusikdirektor gibt mit der Ouvertüre „Estrella de Soria“ zumindest eine Kurzeinführung in Berwalds Klangwelt. Die sprudelt bunt und exotisch wie die Vita des Komponisten. Der schlug sich als Geiger, Verleger, orthopädischer Handwerker, Besitzer einer Glashütte und einer Ziegelei durch. Ein großes Mundwerk allein reichte nicht.

Hinterhältiger Freund! Der Geiger Joseph Joachim sah den Vertrauten Johannes Brahms in diesem Licht. Der Komponist hatte bei Joachims Scheidung für dessen Frau Partei ergriffen. Eine Versöhnung leitete Brahms mit dem Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102 ein. Die Solisten Lev Gelbard und Alexander Hülshoff kreuzen augenzwinkernd die Bögen für dieses Friedensangebot. Rasch ist die Freundschaft erneuert.

In dem oft spröden Werk schaffen die beiden Solisten eine sehr sorgfältige dynamische Organisation und plastische Artikulation. Trotzdem bleibt die Musik bei ruhigem Tempo im ersten Satz etwas kleben. Am Ende wirkt so die zugegebene Passacaglia nach Händel von Johan Halvorsen eher ungetrübt.

Großer Landsmann! Der Este Vestmann schätzt Eduard Tubin (1905–1982) als solchen und engagiert sich im Großen Haus spürbar für dessen 5. Sinfonie h-Moll von 1945. Der Dirigent und der Komponist haben in Tartu ihre ersten musikalischen Erfahrungen gemacht. Tubin floh 1944 nach Schweden.

Die Sinfonie trägt autobiografische Züge. Es ist dies eine Musik voller treibender Rhythmik, voller Wucht, voller Unheimlichkeit, voller Heimweh, voller Gesang. Manchmal bläst das Staatsorchester den Hörern den Sturm voll ins Gesicht, ehe es das kompakte Gebilde kammermusikalisch austariert. Tubins Sinfonie ist die große Entdeckung dieses Konzerts. Und das Orchester produziert eine Energie, aus der sich eine Siedlung eine Weile mit Strom versorgen könnte.

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