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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Sinfoniekonzert: Französische Verehrer von Richard Wagner

01.04.2019

Oldenburg Das wäre eine schöne Frage in einer Quiz-Runde: Wie kam der Komponist Albéric Magnard ums Leben? A: Er erlitt einen Unfall. B: Er wurde erschossen. C: Er ist an einer Fischgräte erstickt. B ist richtig. Als er sein ländliches Anwesen in Baron-sur-Oise 1914 gegen deutsche Soldaten verteidigen wollte, starb der 49-Jährige beim Schusswechsel; das Haus mit den meisten Partituren und Skizzen brannte nieder. Doch mal anders gefragt: Wer kennt eigentlich Magnard, diesen Franzosen, der kurzfristig ins Programm des 6. Sinfoniekonzerts des Staatsorchesters im Großen Haus gerutscht ist?

Die Änderung von Alban Berg auf Magnards „Hymne à Venus“ passt in den Gesamtrahmen. Zum einen war Magnard Schüler von Vincent d’Indy, dessen großflächiger „Jour d’été à la montagne“ den ersten Konzertteil prägt. Zum anderen zählt Gastdirigent Fabrice Bollon zu den engagiertesten Verfechtern einer Magnard-Renaissance. Vier Sinfonien sind erhalten, andere Werke rekonstruiert.

In ihrer Wagner-Verehrung und der Wahrung hergebrachter Formen mögen beide Komponisten Brüder im Geiste sein. In ihren eigenen Werken unterscheiden sie sich leicht. Bollon, Generalmusikdirektor in Freiburg, zeigt bei d’Indys Sommertag in den Bergen zwar die pure Schönheit von Landschaft, Luft und Tagesgenuss, doch rau lässt er die Bergzacken im Hintergrund aufragen. Das verleiht der Musik bei trennscharfer Artikulation vom faszinierend gespielten dreifachen Pianissimo des Anfangs eine Festigkeit, die ihr mit Weichzeichner leicht abgehen würde. Doch auch die Hörer sind gefordert: Wer nicht in diese Musik einzusinken bereit ist, spürt an der Oberfläche Längen. In Magnards hymnischen Gesang sind von vornherein festigende Streben gezogen. Impressionistisch nimmt Bollon diese Musik nur begrenzt, dafür aber präzise.

Die 1. Sinfonie c-Moll op. 68 von Johannes Brahms erhält einen bezwingend tragischen Zug. Mag er über viele Passagen durchaus harsch wirken, aber nie ruppig, so zeigt der Dirigent, dass Kontrapunkt eben nicht eine Sache der Berechnung ist, sondern durchaus der Emotion. Zudem entwickelt er die Passagen zarter Tongeflechte sensibel. Wie sich die Stimmung bis zum Finale wandelt, unterstreicht der strömende C-Dur-Hymnus nach dem Alphorn-Ruf. Mit Demut stimmen ihn die Streicher an. In der späteren Wiederholung klingt er gefestigter. Da hat der Dirigent die Musikerinnen und Musiker im Staatsorchester längst zu Mitverschworenen einer stringenten gemeinsamen Vision gemacht.

Das Konzert wird an diesem Montag um 19.30 Uhr im Großen Haus wiederholt.

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