OLDENBURG - OLDENBURG - Bei manchen Konzerten werden im Mozartjahr Mozartkugeln an die Zuhörer gereicht. Das Oldenburgische Staatsorchester sieht bei der dritten Sinfonie a-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy trotz einer vergleichbaren Möglichkeit davon ab, den Besuchern beim 4. Sinfoniekonzert im Großen Haus schottischen Whisky zu kredenzen. Auch ohne Werbebeilage servieren die Musiker eben diese „schottische“ Sinfonie, Mozarts d-Moll-Klavierkonzert KV 466 und die Sinfonietta op. 23 von Alexander Zemlinsky anregend, bekömmlich, genussreich und wohlschmeckend.

Anteil daran hat neben dem engagierten Orchester Stephan Tetzlaff. Der Bremerhavener Generalmusikdirektor, Bruder der Solisten Christian (Violine) und Tanja Tetzlaff (Cello), ist ein ebenso formbewahrender wie klar gestaltender Dirigent. Bei Mendelssohn tariert er die Waage souverän zwischen Dehnen und Drängen aus. Dieses Maßhalten wird nie langweilig, weil er die dramatische, nervöse Komponente der Musik leben lässt.

Die Süßlichkeit von Mozartkugeln ist der Pianistin Jasminka Stancul als Österreicherin kaum fremd, musikalisch ist sie ihr im d-Moll-Konzert aber suspekt. Dämonisch düster gestaltet sie das Werk, tragisch, aber nicht ausweglos, wenn sie dem letzten Satz ein Quäntchen von seiner schneidenden Schärfe nimmt. Ihr spannendes, den kräftigen Zugriff und Tempomodifikationen nicht scheuendes Spiel hat eigenen Charakter und gedankliche Härte. Die aber macht Teile auch anfechtbar. Denn gelegentlich betont sie stark, wo die feine Andeutung Mozarts Musik mehr Zauber beließe.

Zwischen den Stühlen mit seinen Werken saß der Komponist Zemlinsky. Tetzlaff und dem Staatsorchester gelang eine einnehmende Charakteristik dieser zwischen Wagner, Brahms, Mahler oder Schönberg fast erdrückten Musik. Zemlinsky war weder ein konservativer Traditionalist noch ein Vorreiter der Moderne; aber das 20-minütige Werk von 1934 wirkt in einer Deutung wie dieser lebendig, feingliedrig und authentisch.

Wiederholung: heute und morgen um 19.30 Uhr, Karten unter Tel. 0441/2 22 51 11.