OLDENBURG - Als die Mutter von Susanne Meyer im vergangenen März mit 84 Jahren starb, hinterließ sie ihrer Familie einen historischen Schatz. Elisabeth Meyer war die Gründerin des Mini-Museums Ellenserdammersiel im Landkreis Friesland. Am Freitag übergaben ihre Erben Deichbauregister aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an das Staatsarchiv Oldenburg.
„Für das Oldenburger Land haben diese Dokumente eine große Bedeutung“, sagte der Leiter des Staatsarchivs Dr. Gerd Steinwascher. Der Deichbau sei immer eine genossenschaftliche Angelegenheit gewesen, es gebe auch viele nichtstaatliche Bestände. „Wir wollen jeden, der auf dem Dachboden oder im Schuppen noch derartige Dokumente findet, dazu motivieren, diese auch der Öffentlichkeit und der Forschung zur Verfügung zu stellen“, sagte der Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft, Dr. Michael Brandt.
Die Landschaft hatte den Kontakt zwischen den Erben der Heimatforscherin und dem Staatsarchiv hergestellt. Die Rechnungsbücher über die Deichentrichtungen seien auch eine wichtige Quelle für Familienforscher, da in ihnen auch mindestens 250 Grundstücke und deren Besitzer im Gebiet Zetel-Bockhorn verzeichnet seien. „Aus diesen Archivalien erfahren wir viel über die bäuerliche Selbstverwaltung und die Überwachung der Zahlungen. Je nach Größe der Grundstücke und Ertragsqualität der Nutzfläche variierte auch die Höhe der Beträge. Es ist eine schöne Ergänzung der Daten, die wir bereits haben“, sagte der stellvertretende Leiter des Staatsarchivs, Matthias Nistal.
„Meine Mutter hat per Testament verfügt, dass ihre Enkelin das Museum weiterführen sollte, wenn sie das möchte“, erklärte Erbin Susanne Meyer. Da ihre Tochter andere Pläne habe, würden die Dokumente und Exponate nach Wunsch der Verstorbenen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ausstellungsstücke des Museums spendete die Familie dem Schlossmuseum Jever.
Neben den handschriftlich verfassten Aufzeichnungen finden sich auch Grundstückspläne und Zeichnungen unter den Dokumenten. „Wir erhoffen uns auch Einsichten in das Leben in den Bauerschaften, darüber wissen wir nur wenig“, sagte Brandt.
