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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Vollbad in der Musik von Vincenzo Bellini

21.10.2019

Oldenburg Von einer Inszenierung der Oper „La Sonnambula“ von Vincenzo Bellini sollte ein Regisseur die Finger lassen. Herrje, was ist das für eine banale Geschichte um Plan-Hochzeit, Nicht-Hochzeit und dann Doch-Hochzeit zwischen dem naiven Waisen-Mädchen Amina und dem reichen Bauern Elvino. Folgerichtig hat das Staatstheater eine Nicht-Inszenierung des Nachtwandlerinnen-Stückes von 1831 auf die Bühne im Großen Haus gestellt, rein konzertant – und die Sache ist ein großer Wurf geworden!

Schöne Zwischentöne

In dem schlüssig auf zweieinhalb Stunden (mit Pause) gestrafften Ablauf erklärt sich die Handlung von selbst. In die ausschweifenden Hochzeitsvorbereitungen schneit ein Fremder ins Dorf. Die Einwohner haben schnell heraus, wahrscheinlich über Google, dass es sich um den lange abwesenden Grafen Rodolfo handelt. Er nimmt Logis bei der auf Amina eifersüchtigen Wirtin Lisa. Dort landet in seinem Zimmer dummerweise Amina, als sie auf der dunklen Seite ihres Lebens schlafwandelt. Der Haufen an Missverständnissen ist aufgetürmt. Aber bei der süffigen Musik weiß jeder von vornherein: Der wird vollständig abgetragen.

Die Art, wie die Musik vom Staatsorchester unter Vito Cristofaro zelebriert wird, überrumpelt jeden. Dass Bellinis Orchestersatz ab und an trivial gerät: geschenkt. Der Kapellmeister kostet die Ausschweifungen des Belcanto voll aus und verpasst ihnen seine persönliche Handschrift. Da mischt er Gefühle mit Klarheit in der musikalischen Struktur, zeigt ein ausgeprägtes Bewusstsein für einfach schöne Zwischentöne und stimmige Tempi.

Das hochkonzentrierte Orchester auf der Bühne folgt ihm bis ins Innig-Leise hinein. Ein Genuss sind die farblichen Abtönungen der Holzbläser. Flöten: Birte Friesen, Burkhard Wild; Oboen: Yumiko Kajikawa, Jan Bergström; Klarinetten: Kai Bröckerhoff, Josef Muhr; Fagotte: Hideki Kunai, Jens Pfaff.

Die Bandbreite reizen auch die Solisten komplett aus. Klar, mit Sooyeon Lee als Amina kann nichts schiefgehen. In allen Extremen zeigt sich die Sopranistin spielend sicher, wenn sie unbegleitet Töne aushaucht, wenn sie über dem Orchester irgendwo oben in der Stratosphäre jubelt, wenn sie ebenso anrührend natürlich wie virtuos abstuft. Für den Erfolg bürgt gleichermaßen César Cortés als Elvino. Sein Tenor trifft ideal alle Maße zwischen Lockerheit und Gewicht. Im lyrischen Schmelz verfügt er über südländische Wärme und ein Gespür für tragische Zwischentöne. Ein Traumpaar!

Parodistische Anflüge

Ill-Hoon Choungs Bariton gibt den Rodolfo anfangs etwas monochrom, ehe er rasch an Vielfalt und Würde im Ausdruck gewinnt. Martha Eason hält mit ihrer angenehm leichten Stimme auch dramatisch mit. Perfekt gestaltet Melanie Lang die Rolle von Pflegemutter Teresa, fürsorglich empfindend, im Ernstfall intrigant.

Der von Thomas Bönisch einstudierte Chor zeigt, wie man Bellinis Melodiebögen nicht nur weit singen, sondern auch variabel kolorieren kann.

Das Gesangs-Ensemble findet Freude am Schauspiel. Georgi Nikolov gibt einen schrulligen Notar. Alwin Kölblinger wirkt als Lisas verhinderter Lover Alessio wie ein Buchhalter; eigentlich müsste er seine Noten aus einer Aktentasche ziehen.

Und wenn die Notenpulte hoch- und runtergeschraubt werden, dann kommen leicht parodistische Anflüge ins Spiel. Es ist ein Schwebezustand zwischen Witz und Ernst.

Die Premiere war überraschend nicht ausverkauft. Also, wer sich gern in Musik hineinlegt: Auf zum Vollbad bei Bellini.


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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