OLDENBURG - Der 54-Jährige übernimmt die Intendanz des Landestheaters Linz. Kulturminister Lutz Stratmann kann den Österreichern „nicht böse sein“.

Von Regina Jerichow

OLDENBURG - Es gibt offenbar Angebote, die kann man nicht ablehnen: Rainer Mennicken (Bild), der als Generalintendant dem Oldenburgischen Staatstheater zu einem enormen Besucherzuwachs verholfen hat, kündigte gestern überraschend seinen Wechsel ans Landestheater Linz/Oberösterreich zum Sommer nächsten Jahres an. Der gebürtige Bielefelder war in der Spielzeit 2001/2002 aus Konstanz nach Oldenburg gekommen. Sein Vertrag wäre bis zum Jahr 2009 gelaufen.

„Ich gehe mit dem berühmten weinenden und lachenden Auge“, sagt der 54-Jährige. Das österreichische Vier-Sparten-Haus sei „deutlich größer“. Obendrein werde Linz im Jahr 2009 Kulturhauptstadt Europas und baue dafür eigens ein 100 Millionen Euro teures Opernhaus, das er mitplanen dürfe: „Das ist eine große Herausforderung und tolle Chance.“

Mit dem Weggang dreht sich ein niedersächsisch-österreichisches Personal-Karussell: Mennicken folgt Michael Klügel nach, der 2006 an die Staatsoper Hannover wechselt. „Deshalb können wir den Österreichern natürlich nicht böse sein“, sagt Kulturminister Lutz Stratmann (CDU), der Mennickens Plänen nicht im Wege stehen will, obwohl sie ihn unter „erheblichen Zeitdruck“ setzen würden. Dass Linz auf Oldenburgs Generalintendanten aufmerksam geworden sei, wertet er einerseits als Honorierung der guten Arbeit, zugleich aber auch als Renommee-Steigerung des Staatstheaters: „Das zeigt doch, dass man auch aus Oldenburg heraus europaweit reüssieren kann.“

Letzteres werde in jedem Fall die Suche nach einem Nachfolger erleichtern. Dabei müsse Mennickens Konzept fortgesetzt werden: „Wir werden keine Experimente zulassen wie zu Zeiten von Stephan Mettin“, kündigt der Minister an.

Erst im vergangenen Monat hatte Mennicken mit fast 220 000 verkauften Plätzen im Jahr 2003 eine außerordentlich erfolgreiche Besucherbilanz vorlegen können. Es war das beste Ergebnis seit 1990.