Oldenburg - Konsumlust, Expansionsbedürfnis, „immer-mehr-haben-wollen“: Wie man es auch immer bezeichnen möchte, nur die wenigsten Menschen können sich heutzutage komplett davon befreien. Auch der kleine Herr Jemine aus dem gleichnamigen Bilderbuch von Manfred Schlüter kann sich dem nicht entziehen.
Herr Jemine lebt alleine auf einem kleinen Planeten. Er ist ein Naturmensch, der die Blumen, Vögel und Bäume liebt. Doch irgendwann hat er ein Bedürfnis nach mehr. Neben dem, was der Mensch so braucht, muss ein Haus her. Also fängt er an zu bauen. Dann fällt ihm ein, dass er eigentlich auch gerne Autofahren möchte. Dafür braucht man natürlich eine Straße, und so baut er weiter und weiter und weiter.
Planet wird zugebaut
Alles, was ihm in den Sinn kommt: Flugzeuge, Landebahnen, Paläste. Irgendwann ist sein ganzer Planet zugebaut und nicht einmal ein kleines Blümchen kann mehr herausschauen. „Ich finde es ist eine sehr schöne Parabel auf das, was wir heute tun“, beschreibt Dramaturgin Dorothee Hollender das Geschehen.
Mit „De lütte Herr Jemine“ feiert eine Produktion des Ohnsorg Theaters Hamburg am 13. Juni seine Premiere im Oldenburgischen Staatstheater. Ayla Yeginer, die schon mit „Honnig in’n Kopp“ im Niederdeutschen Schauspiel für Begeisterung sorgte, inszeniert das Stück für Kinder ab 5 Jahren. Immer im Wechsel produzieren beide Theater ein Kinderstück, was dann auch im jeweils anderen Haus zu Gast ist.
Mit dabei sind Schauspieler Peter Christoph Grünberg als Herr Jemine und der Musiker Thomas Esser, der gleichzeitig auch den Part eines Erzählers übernimmt. Während Herr Jemine auf seinem Planeten sitzt, befindet sich der Musiker außerhalb, aber beide kommunizieren miteinander. Der Erzähler beschreibt die Situation und stellt Fragen, Herr Jemine erklärt was er tut. Allerdings geschieht das in zwei unterschiedlichen Sprachen. Herr Jemine spricht Platt, weil man das auf seinem Planeten eben tut, der Erzähler spricht Hochdeutsch. Durch dieses Abwechseln und Wiederholen in beiden Sprachen lässt sich die Geschichte auch mit wenig Plattdeutschkenntnissen sehr gut verstehen. Zusätzlich begleitet Thomas Esser das Stück mit seiner E-Gitarre.
Positive Bescheidenheit
Die Bühne wird den jungen Zuschauern sicher gut gefallen, erinnert sie doch an ein Kinderzimmer. Eine Art großer Spielteppich mit Straßen kann auseinandergeklappt werden. Allerdings wird die Welt durch Jemines Rausch am Bauen und Haben nicht bunter, sondern grauer. Schließlich merkt er, dass die schiere Masse einfach nicht mehr lebenswert ist und zu guter Letzt schafft er sogar den Schritt des Rückbaus. „Das Stück ist ein Plädoyer fürs Bescheiden sein“, findet Hollender. Sie hebt besonders die Fähigkeit, selbst erschaffene Dinge wieder abzubauen, hervor. Damit geht Schlüters Geschichte weiter, als viele andere Kinderbücher es tun. „Das ist eine neue Art von Geschichte. Sie ist sehr berührend, wird sehr schön musikalisch umgesetzt und macht einfach große Freude.“
