Oldenburg - „Drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen.“ Diesen Satz lässt Johann Wolfgang von Goethe den Direktor in der Szene „Vorspiel auf dem Theater“ aus „Faust. Eine Tragödie“ sprechen. Und dieser Satz ist auch das Motto der Aufführung des Stückes am Oldenburgischen Staatstheater.
„Der Faust wird als Großwerk der deutschen Literatur und Geistesgeschichte gesehen und sehr heilig behandelt“, sagt Dramaturg Jonas Hennicke. „Dabei wird oft vergessen, dass Goethe ein großes Spektakel geschrieben hat, mit Hexen, Geistern und Fabelwesen.“ Man hat sich also auf die Suche nach einem Team gemacht, das ein opulentes Spektakel auf die Bühne bringen kann und sich nicht scheut, den kompletten Theaterapparat zu bedienen. Fündig wurde man bei Robert Gerloff, der mit „Dracula“, „Titanic“ und „Alice im Wunderland“ bereits mehrfach in Oldenburg aktiv war und weiß, wie man großes Schauspiel inszeniert.
Die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft spielen auf der Bühne eine wichtige Rolle und werden in großer Menge eingesetzt. Spannend ist dabei auch, was hinter den Kulissen passiert, denn die Bühnenarbeiter wurden vor viele Herausforderungen gestellt: Wohin mit den vielen Litern Wasser, die über die Bühne fließen? Und wie bekommt man die zig Tonnen Erde wieder trocken, die den Bühnenboden bedecken?
Neben diesen Naturgewalten kommen Großpuppen zum Einsatz, die diese Inszenierung ein bisschen traditioneller machen, als man eigentlich denkt. Denn hierbei handelt es sich um eine sehr klassische Aufführungsweise des Fauststoffes. Goethe hat die Geschichte des Dr. Faust, der in der Renaissance als eher windiger Scharlatan und Quacksalber von sich reden machte, in seiner Jugend durch englische Wandertheater kennengelernt, die den Stoff landauf, landab auf Jahrmärkten unter Zuhilfenahme großer Puppen gespielt haben. „Da haben wir angeknüpft und ca. ein Dutzend großformatige, teilweise 6-7 m hohe Figuren entworfen, die die Geisterwelt, z. B. den Erdgeist oder Satan, darstellen“, erklärt Hennicke.
Ansonsten hat man sich bei der Inszenierung aber auf das Wort konzentriert. Es gibt weder ein historisierendes Bühnenbild oder Kostüme, noch ein ganz besonders modernes Szenario in das man die Geschichte verpflanzt hat. Der Raum ist sehr pur und klar gehalten und bietet dem Text und den Puppen und Effekten die volle Aufmerksamkeit.
Der Musiker Cornelius Borgolte hat eine elektronische Musik entworfen, die den Text in Versform gut trägt. Denn bei Faust handelt es sich eigentlich um ein Langgedicht, das ursprünglich gar nicht für die Bühne gedacht war. Borgolte macht sich den Rhythmus der Lyrik zunutze, so dass mit der Musik die Sprache auf der Bühne perfekt unterstützt werden kann.
