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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Masse leidet an Platzmangel

05.06.2018

Oldenburg Wer sich, wie Hendrik Vestmann, Chef des Oldenburgischen Staatsorchesters, an eine Monumentalkomposition wie Arnold Schönbergs 1913 uraufgeführte „Gurre-Lieder“ heranarbeitet, wird – um die schieren Massen an Chorsängern und Orchestermusikern bereitstellen und einstudieren zu können – mit einem anderen Haus kooperieren müssen.

Mitreißend

Die „Gurre-Lieder“ für Soli, Chor und Orchester, die als emotional niederwerfendes Großereignis in der Weser-Ems-Halle unter suboptimalen akustischen Bedingungen unter Vestmanns Leitung in zweieinhalb mitreißenden Stunden erklangen, brachten ein Riesenaufgebot auf die Bühne – bestehend aus dem Chor und dem Extrachor des Staatsorchesters, dem Bielefelder Opernchor, den Herren des Extrachors des Theaters Bielefeld, den Bielefelder Philharmonikern, dem Staatsorchester, dem Sprecher René Schack und den fünf Solisten Thomas Mohr (König Waldemar), Sarah Kuffner (seine Geliebte Tove), der Waldtaube (Melanie Lang), dem Bauern (Leonardo Lee) und Klaus Narr (Daniel Pataky).

In der Wahl der Kräfte nur vergleichbar mit Gustav Mahlers Achter („Sinfonie der Tausend“), hätten die Pulte eigentlich noch üppiger besetzt sein müssen, wofür aber schon rein platzmäßig die Bühne nicht groß genug gewesen wäre.

Obwohl die schiere Masse, Macht und Gewalt des bis in die Leitmotive von Wagner, Bruckner, Mahler, Zemlinsky und Strauss abhängigen Großwerkes im Vordergrund zu stehen scheinen, war Schönbergs Intention eine andere, wie wir von ihm und den Zeugnissen seiner Meisterschüler wissen: Die Fülle der Akteure sollte den Gesamtklang nicht massieren, sondern die Möglichkeiten der subtilen und präzisen Klangfarben und der experimentellen Mischklänge erweitern. Das Ideal der „Gurre-Lieder“ ist kammermusikalische Durchsichtigkeit. Und dafür standen die Zeichen in der voll besetzten Weser-Ems-Halle nicht nur günstig.

Durch den Platzmangel bedingt stehen die Chöre eng beieinander, direkt hinter die Streicher gruppiert. Vor den Streichern, neben dem Dirigentenpult, sangen die Solisten. Was man tontechnisch für Aufnahmen entzerren kann, lässt sich unter diesen Verhältnissen kaum trennen.

Kräftige, obertonreiche Stimmen wie die von Thomas Mohr kamen besser gegen die alles verschlingende Wucht des Orchesterensembles an als der helle, aber nicht weit tragende Sopran von Sarah Kuffner. Melanie Lang als Waldtaube „funktionierte“, weil ihr leicht gutturaler Mezzo den fast naturklanglichen Anforderungen entgegenkam und weil ihr Part in weiten Teilen vom Orchester getragen wird.

Schwierig

Am schwierigsten und am wenigsten überzeugend waren Passagen des Männerchors, die im Strudel unterzugehen drohten und die auch jede Textverständlichkeit vermissen ließen. Das lag weder an der Einstudierung der Chöre noch an der griffigen, die spätromantische Opulenz unterstreichende Stabführung von Hendrik Vestmann, sondern an den äußeren, vornehmlich akustischen Rahmenbedingungen.

Die „Gurre-Lieder“, die zwischen Orchester-Liederzyklus, Melodram und Oratorium changieren, bleiben auch in der textlichen Vorlage von Jens Peter Jacobsen vieldeutig: Zwischen Märchen, Sage, Platon, Leibniz, Novalis und Nietzsche tendiert auch der symbolistische Text hin zum Gesamtkunstwerk, als das die „Gurre-Lieder“ wiedergegeben werden müssen.

Auch diese großgedachte Aufführung war bei allen Meriten nur ein weiterer Anlauf in die richtige Richtung. Der das Werk noch einmal überhöhende abschließende Sonnenaufgang in seiner „Strahlenlockenpracht“ stimmte alles und jeden versöhnlich und stimulierte zu einem ebenso enthusiastischen Beifall.

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