Oldenburg - Die letzte Premiere der Spielzeit 18/19 am Oldenburgischen Staatstheater steht an. Und bevor es in die Sommerferien geht, wird nochmal ein richtiger Kracher ausgepackt: Das Kultmusical „The Rocky Horror Show“ wird das Große Haus richtig aufmischen. Wer das Musical oder auch Filmvorführungen der „Rocky Horror Picture Show“ kennt, weiß, dass nicht nur auf der Bühne die Post abgeht. Als „Publikumspartizipation“ bezeichnet Dramaturg Jonas Hennicke ganz sachlich, was die besondere, teilweise anarchische Stimmung bei diesem Stück ausmacht.
Wenn das genauso naive wie biedere Pärchen Brad und Janet beispielsweise auf der Bühne eine Autopanne hat und im strömenden Regen Zuflucht in einem düsteren Schloss sucht, dann zücken die Zuschauer ihre Wasserpistolen und erleben das Unwetter am eigenen Leib. Und genauso wie Brad und Janet versuchen sie sich gleichzeitig unter einer Zeitung davor zu schützen. Während des gesamten Stückes sind immer wieder diverse Utensilien gefragt. Damit man nicht mit dicken Rucksäcken bepackt den Weg ins Theater antreten muss und damit auch niemand seinen Einsatz verpassen kann, gibt es im Staatstheater sogenannte „Fanbags“ mitsamt entsprechenden Gebrauchsanweisungen. Aber auch ohne Fanbag kann man mitmachen, denn viele Stellen laden zu Zwischenrufen ein.
Freiraum vor der Bühne
Diese Einbindung des Publikums ins Stück geht zurück auf die mitternächtlichen Kinovorstellungen der Musicalverfilmung Mitte der 1970er Jahre und gehört auch bei den Theatervorführungen längst dazu. Eine Neuerung in Oldenburg ist jedoch eine Tanzfläche, die für einige Vorstellungen direkt vor der Bühne eingerichtet wird. Der Bereich des Orchestergrabens wird zum Publikumsniveau etwa einen halben Meter abgesenkt und bietet 80 Zuschauern Platz, die mittanzen können.
Steg ins Publikum
Außerdem geht direkt über dem Orchestergraben ein vier Meter langer Steg ins Publikum hinein und macht die Rockkonzertatmosphäre perfekt. „Die Mixtur aus Popkonzert und Theaterstück wird dadurch verstärkt, dass unser musikalischer Leiter Hajo Wiesemann eine Spitzenband zusammengestellt hat“, erklärt Hennicke. „Und diese Band wird nicht versteckt, sondern in das Bühnengeschehen integriert.“
Man muss als Kenner und Verehrer des Stückes aber keine Angst haben, dass alles neu und anders wird. „Mit Regisseur Robert Gerloff haben wir uns dafür entschieden, dass die Inszenierung als absolute Hommage aufgezogen werden soll, als ein Geschenk für die Fans“, beschreibt Jonas Hennicke die Aufführung.
Dazu gehören natürlich auch die tollen Lieder, die nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Beine gehen. „Die Musik entwickelt einen regelrechten Sog. Auch ich bin seit Wochen mit Ohrwürmern unterwegs. Aber es wird dabei nicht langweilig, sondern macht gute Laune“, freut sich Hennicke auch noch nach wochenlangen Proben. Und damit steht er nicht allein. In allen Gewerken des Theaters freut man sich auf die große Produktion, obwohl sie vieler Anstrengungen bedarf.
Die Hauptrollen werden allesamt mit Darstellern des Ensembles besetzt, die teilweise schon über Musicalerfahrung verfügen. Zur Verstärkung von großen Tanz- und Gesangsszenen hat man noch sechs Musicaldarsteller engagiert.
