Oldenburg - Sport und Kultur haben eines gemeinsam: Die Supertalente, die großen Spieler, gehen dahin, wo die Kohle stimmt: im Fußball zu Liverpool, nach München, Mailand und Madrid. Wer da als finanziell schwächerer Verein mithalten will, muss seine Scouts losschicken, die Szene weltweit beobachten und zuschlagen, wenn sich eine günstige Gelegenheit ergibt. Dass das in der Kultur nicht anders läuft, davon plauderte Generalintendant Christian Firmbach als Moderator der Eröffnungsgala der neuen Spielzeit am Oldenburgischen Staatstheater. Immerhin kann Oldenburg so weit mithalten, dass hochwertige Produktionen nicht nur das eigene Publikum erreichen, sondern auch auswärts Anerkennung finden.
Von insgesamt 35 Premieren in der neuen Saison konnten selbstverständlich nur einige Probehäppchen serviert werden, aber das gleich mit durchschlagendem Erfolg: Ob Hein Godenwinds mitreißendes Shanty-Medley oder die Arie der Amina „Ah, non credea mirarti“ aus Vincenzo Bellinis Oper „La Sonnambula“: Das Publikum war allen Formaten und Einzelleistungen gegenüber aufgeschlossen und applaudierte besonders heftig.
Um bei der das Gala-Programm abschließenden Arie, gesungen von Sooyeon Lee, zu bleiben: Die intensive, ausdrucksstarke Arie wurde ebenso sinnlich wie eindringlich gesungen, die vielfältigen Stimmungen und Brüche sehr genau von der Sängerin und dem prächtig aufspielenden Staatsorchester nachgezeichnet. Die anschließenden Bravo-Rufe waren berechtigt.
Das Debüt der aus Kasachstan stammenden Sopranistin Lada Kyssy, die das Lied an den Mond aus der Oper „Rusalka“ sang, ließ erahnen, welche Qualität die neuen Mitspielerinnen und Mitspieler mitbringen. Elena Harsányi, ein weiterer Neuzugang, sang eine Arie der Pamina aus Mozarts „Zauberflöte“. Auch sie wurde bei ihrem Oldenburger Einstand mit einem warmen Applaus empfangen.
Zu den Neuen am Theater gehört Manuel Thielen, der den „Monolog des Narren“, frei nach Grillparzers „Medea“, mit viel Bühnenpräsenz inszenierte. Zum bunten und vergnüglichen Potpourri von insgesamt 13 Appetithäppchen gehörten aber auch Duftmarken der etablierten Größen: Hier muss unbedingt die lebendige und kraftvolle Arie des Prinzen aus Dvoraks Oper „Rusalka“ genannt werden, die Zoltan Nyári sang.
Nian Wang, Mezzosopranistin aus China, sang die Wutarie aus Händels Oper „Serse“ so griffig, genau und technisch überragend, die Koloraturen so gekonnt und perfekt, dass das Oldenburger Publikum an ihr noch viel Freude haben wird.
