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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Zwischen Glück und Tod

19.03.2018

Oldenburg Großes Musiktheater funktioniert, wenn es auf Urszenen des Menschlichen eine ästhetisch-darstellerisch überzeugende Antwort geben kann. Die Urszene, die Roman Statkowskis Oper „Maria“ aus den Jahren 1903/04 ausfaltet, ist die nach zwei völlig unvereinbaren Glücksvorstellungen in der Familie: der Vater, ein polnischer Woiwode im 18. Jahrhundert, versucht seinem Sohn Waclaw den Weg zum Glück zu ebnen, das er in einer gesteigerten Macht und Verfügungsgewalt sieht.

Der Sohn sieht nur seine kompromisslose Liebe zu Maria, einer Nichtstandesgemäßen. Die Situation ist dadurch verschärft, und das macht die Relevanz eines polnischen Nationalepos’ aus, dass die feindlichen Tataren im Anmarsch sind.

Die Premiere, immerhin die Deutsche Erstaufführung, ließ dem Drama nun im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters seinen Lauf. Die Musik, irgendwo zwischen Wagner und Liszt auf der einen und Tschaikowsky, Borodin und slawischer Folklore auf der anderen Seite angesiedelt, lässt von Beginn an keinen Zweifel, dass hier Disparates und Antagonistisches auf eine Kata­strophe zutreiben wird.

Dirigent Hendrik Vestmann ließ das Staatsorchester und den Opernchor des Staatstheaters opulent agieren. Er legte Wert auf Nuancierungen, auf die an Wagners Erinnerungsmotive gemahnende Beredtheit der Musik, die häufig mehr weiß als Worte und Bühnengeschehen hergeben. Die beiden herzlich und rein Liebenden Maria (Arminia Friebe) und Waclaw (Jason Kim) sind stimmlich für die anspruchsvollen Partien gut besetzt. Jason Kim gibt dem elegischen Charakter Leuchtkraft. Wenn die Liebenden sich lieben und wenn Waclaw später die auf Geheiß seines Vaters Ermordete wiederfindet, dann singt er überzeugend, warm, herzzerreißend. Er ist aber nicht der Schauspieler, das gestisch und mimisch glaubhaft zu machen und wird zudem von der Regie verdonnert, oft in den leeren Raum oder ins Publikum zu singen, wenn der Text und die Situation intime Nähe geböten. Statkowski, der auch das Libretto schrieb, orientierte sich auch an Tristan und Isolde. Dafür lässt die Regie von Andrea Schwalbach keinen Raum.

Die Väter der Liebenden, der Woiwode (Tomasz Wija) und Miecznik (Kihun Yoon), die nur das vermeintliche Glück ihrer Kinder im Auge haben, sind die vielschichtigeren Charaktere. Die beiden Stimmen der Kontrahenten, auch ihr Auftreten, sind so etwas wie der Angelpunkt des Geschehens. Da sind keine Bösewichte am Werk, sondern Väter.

Wenn auch die Inszenierung ganz andere Wege geht: Statkowskis „Maria“ stellt unbedingte Glücksansprüche nebeneinander, die in ihrer Fixierung auf die eigenen Werte die Gemeinschaft destabilisieren. Die provinzielle Gemeinschaft feiert vorgegebene Feste, Pachole (Britta Glaser) ist die eine Kassandra, die in allem nur keimhaft Verderbnis sehen kann und am Ende Recht behält: Die Liebenden, ihre vorausschauenden Väter und einige Kollateralschäden liegen im Blute, nur die Schwarzseherin überlebt.

Statkowskis „Maria“ ist keine Oper für das Repertoire, aber ein interessanter Einblick in die polnische Nationaloper. Sie erfuhr in Oldenburg eine würdige deutsche Erstaufführung, konnte mit den sehr gut passenden Stimmen der vier Hauptprotagonisten auf ganzer Linie überzeugen, gefiel in den großen Chorszenen und den spätromantischen Orchesterpassagen, irritierte mit Regieeinfällen und in etwas statisch-unbeholfenen Massenszenen.

Der warme Applaus spiegelte den leicht zwiespältigen Eindruck: durchaus anerkennend, aber nicht enthusiasmiert, mit starkem Nachdruck bei den drei männlichen Protagonisten.

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