OLDENBURG - Vom fränkischen Landedelmann zum Oldenburger Kohlkönig: Mit 20-minütiger Verspätung stieg Karl-Theodor zu Guttenberg vor der Lambertikirche aus der gepanzerten Limousine. Er kam mit Opel-Eskorte von den Sanitätern aus Schwanewede in seinem dunklen Audi A8 zur Stadfesteröffnung und wurde in Empfang genommen von Staatssekretär Thomas Kossendey („inzwischen ein guter Freund“) und Oberbürgermeister Gerd Schwandner.

Trotz des Regens wollen viele seine Hände schütteln oder ein Foto mit Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg. Er zeigt sein Grübchenlächeln, schreibt Autogramme und spricht freundlich mit den Menschen – keine Allüren, keine Gutsherrenart.

Auf der Bühne dann beweist der millionenschwere Oldenburger Kohlmonarch mit dem energischen Kinn, was viele über ihn sagen: eine seltene Mischung von guten Manieren („Entschuldigung, dass ich zu spät komme.“), Charme und Durchsetzungsfähigkeit – gepaart mit gutem Aussehen. Die schönste Frau Deutschlands, Miss Germany Anne Julia Hagen, zumindest ist von ihm begeistert.

Aber auch alle anderen. Mit Ausnahme des Plattdeutschen könne er viele Dialekte und gibt gleich eine Kostprobe: Sächsisch, denn in Sachsen war er gerade bei der Truppe. Dann noch Fränkisch und Oberbayrisch. „Das ist schon dem Franz-Josef Strauß im Wolkenhimmel geschuldet“, scherzt der CSU-Politiker. Mit Sätzen wie „Ich bin als Freund nach Oldenburg gekommen“ vermittelt er schnell die Gefühlslage: „Ich bin einer von Euch!“

Der 38-Jährige ist also ein volksnaher Kohltribun, der – wie manche seiner Vorgänger – auch mehr könnte als auf den Punkt mit drei Schlägen ein Fass anstechen. So sieht es wohl auch Oberbürgermeister Gerd Schwandner, denn er bezeichnet die Wahl zu Guttenbergs als Kohlkönig in seiner Rede im Rathaus als Investition in die Zukunft: Keine Frage, damit spielt Schwandner darauf an, dass zu Guttenberg nach seiner Amtszeit wie auch die Kohlmajestäten Angela Merkel und Gerd Schröder Kanzler werden könnte.

Doch auch ganz kurz klingen ernste Töne an in den Reden, auf dem Marktplatz und auch, ehe der Minister sich ins Goldene Buch einträgt: Er bedankt sich bei General Frank Leidenberger, Kommandeur der Luftlandebrigade 31, für dessen Einsatz in Afghanistan und bekommt Applaus. Ins Goldene Buch schreibt er: „In vielfacher Funktion vom Kohlkönig, über den Franken und das Berliner Faktotum. Von Herzen gerne in einer wunderbaren, großartigen Stadt.“