OLDENBURG - Die Wiege der Oldenburger Beatmusik steht in – genau: Ohmstede. Und 43 Jahre später würde sie immer noch dort stehen, wären die Jungmusiker von einst nicht längst flügge geworden.
„Alles Geschichte, Erinnerungen, aber eigentlich nur gute“, lacht Harald „Harry“ Houben, der 1965 Oldenburgs wohl langlebigste Rockgruppe mitbegründete. Am Sonnabend, 6. Dezember, kehrt er mit seiner Band zu den Ursprüngen zurück: Ab 20 Uhr gibt’s Beat und Rock satt im Saal des „Müggenkrug“.
Inzwischen dürfte wohl jeder auch nur halbwegs kundige Musikfreund wissen, um wen es geht: um die Stingrays, wahlweise Sting-Rays oder Stingrais – die Band, seit sie im November 1965 ihr Debüt im Jugendheim am Flötenteich gab und damit eine Karriere startete, die den Musikern mehr als nur lokale Prominenz einbrachte.
Dies gilt in erster Linie für Harry Houben (damals Krieg). Der Ur-Ohmsteder, der durch einen Schulkameraden in die Geheimnisse um Beatles und Stones, Small Faces, Kinks und Who eingeführt wurde, gilt als treibende Kraft der frühen Rockszene. „Dabei habe ich im Ohmsteder Kirchenchor begonnen“, erzählt der heute 58-jährige Profimusiker. „Aber als der Beat kam, wollte jeder Gitarre spielen.“ Houben wollte auch, für fünf D-Mark gab’s schnell die erste gebrauchte E-Gitarre und dank guter Kontakte kurz danach die Urformation der Stingrays mit Houben (Gesang, keine Gitarre!), Thomas Libeck (Bass), Ralf Schutte (Gitarre), Volker Klinge (Gitarre) und Holger Zimmermann (Drums).
Das Repertoire bestand zunächst aus „Boys“ (Beatles), „Gloria“ (Version der Shadows Of Night), „House of the Rising Sun“ (Animals) und „Poor Boy“ (Lords). „Nach und nach haben wir unser Programm erweitert auf progressivere Klänge“, meint Houben. Parallel dazu wuchsen Haare, Koteletten und die Breite der abenteuerlich gemusterten Schlaghosen. Und es wuchs das Können der Musiker: 1966 gewann man den Norddeutschen Beatwettbewerb in der Weser-Ems-Halle (Houben: „Dank unserer klatschfreudigen Fans“), erhielt danach Auftrittsanfragen „von Lübbecke bis Wilhelmshaven“ und Gagen von 250 Mark pro Konzert.
Der (kurze) Höhepunkt der Stingrays-Laufbahn kam bereits 1968. „Uns wurde ein Schallplattenvertrag angeboten, wir machten zwei Demoaufnahmen – und dann verboten uns die Eltern, den Vertrag zu unterzeichnen“, blickt Houben zurück.
Bis Anfang der 1970er Jahre blieb die Band trotzdem aktiv (parallel dazu engagierte sich Houben in Oldenburgs erster und einziger Supergruppe Foam), dann gingen die Stingrays auseinander. Houben machte weiter Musik: bei Werwolf und bei Schlagsaite und drei anderen Bands – doch die Stingrays blieben seine alte Liebe.
Die blieb bis Ende der 1990er Jahre kühl, bis endlich das Comeback kam, von Beginn an von Erfolg begleitet. Denn die Stingrays sind nicht nur Legende; sie spielen Beat und Rock ebenso wie „Kriminaltango“ und „St. Tropez Twist“. „Mir geht es heute darum, einfach nur gute Musik zu machen“, sagt Harry Houben. Der „Müggenkrug“ wird’s erleben.
Infos unter www.the-stingrays.de
