OLDENBURG - Zufriedenheit auf der einen, Zukunftsangst auf der anderen Seite: Das Oldenburger Festival „Go West – Theater aus Flandern und den Niederlanden“, das an diesem Donnerstag startet, findet erneut regen Zuspruch – für einige der insgesamt 17 Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten –, doch für manche der eingeladenen Gruppen aus Holland ist es fraglich, ob sie 2013 überhaupt noch existieren.
Die Zuschüsse für Darstellende Künste werden daheim unter dem Druck der Rechtspopulisten im nächsten Jahr um 40 Prozent gekürzt: ein kulturpolitischer Kahlschlag.
Fördermittel erhalten
Die Niederlande zeichnen sich durch eine ungemein reiche Theaterszene aus, die im Vergleich zur deutschen Bühnenlandschaft ganz anders strukturiert ist. Nach Darstellung von Jörg Vorhaben, Organisator des Festivals und Dramaturg am Oldenburgischen Staatstheater, ist in den Niederlanden die Produktion von der Spielstätte getrennt. Alle Theatergruppen hätten eine Reiseverpflichtung und meist keine oder bestenfalls eine kleine eigene Spielstätte. Die neun großen Theatercompagnien arbeiten jeweils eng mit einer Stadschouwburg zusammen und sind in der glücklichen Lage, 2013 dieselbe Förderung wie bisher zu erhalten.
Nicht länger subventioniert werden dagegen nach den Worten von Jörg Vorhaben die 21 „Produktionshäuser“, die jungen Talenten Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten sollen. Daneben gibt es unabhängige Theatermacher, die, unterstützt vom Fonds für die Bühnenkunst, in kleineren Sälen oder auf Festivals überlebt haben. Für die sei es ungleich schwieriger, über die Runden zu kommen, als etwa für freie Theatergruppen in Deutschland, sagt Vorhaben. Denen werde praktisch „der Hals umgedreht“. Denn dem Fonds für die Bühnenkunst steht künftig ebenfalls 30 Prozent weniger Geld zur Verfügung.
Auch unter den Gästen des Oldenburger Festivals sind zwei, die um ihre Existenz fürchten müssen: die Ulrike Quade Company aus Amsterdam, die ihr Figurentheaterstück „The Writer“ über den norwegischen Literatur-Nobelpreisträger Knut Hamsun präsentieren wird, und Nick Steur („Freeze“), der es im konzentrierten und spielerischen Stapeln von Steinen zu wahrer Meisterschaft gebracht hat.
Für das Festival hat der Organisator Fördermittel von den Gastländern erhalten, etwa von der Flämischen Prüfungsstelle und dem niederländischen Fonds für die Bühnenkunst, von dem man nicht weiß, ob er weiterhin internationale Projekte fördern wird. Für die Niederländer sei die Entwicklung bitter, sagt er, doch sei er guten Mutes, dass es gelingt, in zwei Jahren wieder ein „Go West“-Festival auf die Beine zu stellen.
Uraufführung ausverkauft
In Fachkreisen hat sich die Qualität des Festivals inzwischen herumgesprochen. Für die dritte Ausgabe haben sich Kollegen etwa vom Schauspielhaus Düsseldorf, von der Volksbühne Berlin, dem Festival Theaterformen in Hannover oder dem „Kunstenfestival“ in Brüssel angekündigt.
Die Uraufführung zur Eröffnung – eine deutsch-niederländisch-flämische Koproduktion mit dem Titel „Der (kommende) Aufstand“ – ist bereits ausverkauft. Danach wird das Stück auch in Amsterdam und Rotterdam Premiere haben – der finanziellen Krise und dem Kahlschlag zum Trotz.
