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A29 in Richtung Wilhelmshaven auf eine Fahrbahn verengt
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Aktualisiert vor 11 Minuten.

Unfall Bei Sande
A29 in Richtung Wilhelmshaven auf eine Fahrbahn verengt

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wie man in 55 Minuten das Fliegen erlernt

11.06.2018

Oldenburg Frau Meier hängt Wäsche auf und sammelt Ängste. Anja Hursie spielt diese Frau Meier, bestückt die Wäscheleine und erklärt, wovor sie Angst hat – so ziemlich vor allem, darunter vorm Fliegen, vorm Fahren, vor Keimen, Viren, vor Menschen und vor Sellerie. Ein Hypochonder ist sie obendrein. Wie kann man so leben?

Man kann. Schon fordert Frau Meier die erste Sitzreihe vor der kleinen Bühne auf, bitte die Hände zu waschen, Lappen hält sie parat. Die Kinder der ersten Sitzreihe kreischen und freuen sich. Und die Erwachsenen in der Oldenburger „Limonadenfabrik“, der kleineren Spielstätte des Theaters Laboratorium, lachen gleich mit.

In dem Einpersonenstück nach dem 1995 erschienenen Bilderbuch „Frau Meier, die Amsel“ von Wolf Erlbruch spielt Anja Hursie die arme Frau Meier schön ruhig und lieb, klar und kindgerecht, ohne dabei anbiedernd zu wirken. Ihr gelingt es, Ängste zu zeigen, ohne Ängste unter den Kindern zu schüren. Eine Leistung für sich. Übrigens wird Frau Meier, die herrlich große Augen machen kann, zügig an ihren Ängsten arbeiten, denn schon plumpst eine Amsel aus dem Nest vor ihre Füße.

Die huschige Meier vergisst ihre Ängste in der Fürsorge für den Vogel. Eben hat sie noch auf einem nostalgischen Bügelbrett gebügelt und lamentiert. Eben hat sie sich noch von ihrem Mann (von dem man in einer niedlichen Durchreiche nur die Arme sieht) im Minigarten mit Tee und Zuspruch versorgen lassen. Nun ist sie ganz auf den Piepmatz fokussiert. Am Ende kann sie mit „Piepchen“ sogar mitfliegen, wie ein märchenhaftes Schattenspiel zeigt. Irgendwie sind beide flügge geworden.

Pavel Möller-Lück hat das 55-Minuten-Stückchen für alle ab sechs Jahren raffiniert in Szene gesetzt. Da wird mit Licht und Musik ein Bühnenzauber entfaltet. Da hält Frau Meier ein hübsches Vögelchen in Händen, denn wie stets bei dieser einzigartigen Bühne sind Puppen selbstverständlicher Teil des Ganzen. Kleine Scherze, nie billig, umschmeicheln zudem die Handlung.

Theater, gut entschleunigt und schön gemütlich: regelrechtes Wohnzimmerwohlfühltheater. – Reingehen!


Alle NWZ-Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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