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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Liebeserklärung an die deutsche Sprache von A bis Z

04.10.2019

Oldenburg Die braune Kinderstrumpfhose und die Papp-Zähne, mit denen er sich flugs in ein Häschen mit Schlappohren verwandelt, hat René Schack daheim gelassen. Um von seinem neuen Programm plastisch erzählen zu können, benötigt der Oldenburger Schauspieler und Pantomime keine Utensilien, wie sie bei seinen „Fabeln von Wilhelm Busch“ zum Einsatz kamen. Sein neuer Theaterabend ist eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache, und dazu braucht er nur eines: das komplette Alphabet, von A bis Z.

„Grimms Wörter Wahnsinn“ heißt das humorvolle Programm, mit dem der 54-Jährige und der Bremer Jazz-Musiker Christian Klein an diesem Freitag im Theater hof/19 Premiere feiern. Das Ganze ist eine Mischung aus Schauspiel, Pantomime, Rezitation, Klangkompositionen und interaktivem Spiel mit dem Publikum. Bei dem Buchstaben Z – wie Zuschauer – müsse es mitsprechen, verrät der Schauspieler mit listigem Grinsen, und zwar einen fiesen Zungenbrecher.

Um zu verstehen, worum es eigentlich geht, muss man gemeinsam mit René Schack etwas ausholen. Inspiriert wurde er von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm, die 1838 den Auftrag erhielten, ein Wörterbuch der deutschen Sprache anzulegen – gewissermaßen einen Ur-Duden. Sie selbst konnten es nie vollenden, weil sie zuvor das Zeitliche segneten: „Wilhelm Grimm ist nach dem Buchstaben D gestorben, Jacob nach F“, weiß Schack zu berichten. Das letzte Wort, das dieser bearbeitete, war „Frucht“. Erst 1961 konnte eine erste Gesamtfassung fertiggestellt werden, „Der Grimm“ genannt.

Es ist das größte und umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache, mit Wortbedeutungen und Belegstellen – 34 Bände, 38 000 Seiten stark und 84 Kilo schwer. Günter Grass (1927–2015) schrieb dazu 2010 ein Buch: „Grimms Wörter“. Auch eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache, in der er Gedichte zu einzelnen Buchstaben verfasste.

Angeregt vom Literaturnobelpreisträger wurde für das Oldenburger Programm Musik komponiert und wurden Texte zu den Buchstaben verfasst oder Wortspiele kreiert. Den Anfang macht natürlich der Buchstabe A – wie Adam, Apfel, Adamsapfel –, zu dem eine traurige Anekdote von „Anna“ erzählt und gespielt wird, jedes einzelne Wort mit A beginnend. Auch das Wort „Arbeit“ und seine Veränderung im Lauf der Jahrhunderte lässt sich pantomimisch darstellen: Am Anfang hackt er Holz, dann kommt die Säge, die Motorsäge, das Sägewerk und schließlich nur noch der Zeigefinger an der Computer-Maus.

Dann wieder spürt Schack den Artikeln nach – der, die, das. Welche Wörter sind weiblich, welche männlich besetzt? Der Reichtum/die Armut, der Ruhm/die Schmach. Aus solchen Gegenüberstellungen macht Schack auch gleich einen hintersinnigen Vierzeiler: der Hafen/die Ehe, der Anker/die Enge.

René Schack, ausgebildet unter anderem in Paris bei dem berühmten Pantomimen Marcel Marceau, hat nicht nur ein Faible für Sprache, sondern auch jede Menge Theatererfahrung. Acht Jahre war er Ensemblemitglied am Oldenburgischen Staatstheater, am Freilichttheater Lohne inszeniert er 2020, an der Uni Oldenburg zeigt er angehenden Lehrern, wie man gut spricht und Texte anschaulich präsentiert. Seine „Kleine Zoogeschichte“ läuft seit 1997 landauf landab als Ein-Mann-Show. Mit ihr gastierte er auch schon in Mexiko und Korea. Auftritte in Indien und Brasilien habe er allerdings abgelehnt, erzählt Schack lässig und schaut, wie jemand, der es sich aussuchen kann: zu weit weg.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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