OLDENBURG - Perücke müsste sein. Ein paar plastische Tricks. Tiefen aufhellen. „Aber mehr als vielleicht zehn Jahre sind nicht herauszuholen!“ Das Urteil von Greta Bastir fällt so aus, wie es der Autor in seinem Alter erwarten sollte. Auch Deutschlands beste Maskenbildnerin stößt an Grenzen, arbeitet statt mit Zauber nach handwerklichen und künstlerischen Gesetzen.
„Ältere Menschen auf Jung zu schminken und zu gestalten, ist generell schwerer als umgekehrt”, sagt die 26-jährige Mitarbeiterin des Oldenburgischen Staatstheaters. Eine solche Aufgabe zählte auch zu den drei Themen des Wettbewerbs, den Greta Bastir in diesem Monat gewonnen hat. Für den „Baden-Baden-Award 2011“ mussten Maskenbildner einen jungen Mann in einen alten mit Glatze und nicht vorgefertigtem „Bart aus der Hand“ verwandeln. Zudem galt es, eine historische Frisur im Eigenhaar zu gestalten und ein Fantasie- oder Fabelwesen zu schaffen. Dafür etwa hatte Greta Bastir hintersinnig einen Menschen als Stiefel geformt.
Erfahrungen sammeln
Mit diesen Arbeiten hatte sie im Juni bei der für Maskenbildner zuständigen IHK-Kommission in Hamburg schon ihre Lehre als Jahrgangsbeste und Prüfungsbeste abgeschlossen. Die Juroren des Wettbewerbs der IHK Karlsruhe und der Europäischen Medien- und Event-Akademie zeigten sich ebenso beeindruckt. „Stars hinter der Manege“ lautete das Motto der Leistungsschau mit der Prämiierung in Baden-Baden. Greta Bastir darf sich „Deutschlands beste Maskenbildnerin“ nennen.
Bei allem Stolz findet die Wahl-Oldenburgerin keinen Grund zum Abheben. Sie kann den Titel und sich selbst gut einordnen. „So etwas ist relativ, es bewerben sich eher Nachwuchsleute“, sagt sie. Immerhin 120 in sechs Berufsgruppen waren es beim Award 2011. „Die erfahrenen Maskenbildner oder die Stars von großen Häusern machen da nicht mit.“ Erfahrung ist es daher auch, die sie „erst einmal intensiv sammeln muss“. In Oldenburg fand die gebürtige Erlangerin dazu ein ideales Haus. „Eine starke Abteilung“ mit 14 Kolleginnen spürt sie hier im Rücken, „die hat mich sehr unterstützt“. Bis 2013 ist sie zunächst am Staatstheater engagiert.
Hier reizen „hohe künstlerische Herausforderungen“. Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist derzeit nicht nur für Schauspieler und Zuschauer ein Fest. Auch die Maskenbildner dürfen ihrer Ideenfülle freien Lauf lassen. Greta Bastir fiebert zwischen Borkentrollen, Felsenbeißern, Sumpfwesen und dem acht Meter langen Fuchur vor allem mit der Motte mit: Die ist ihre Schöpfung. Solche persönlichen Berührungen gibt es immer wieder. Für „Anna Karenina“ hat sie aktuell diesen fantastischen 1,50 Meter großen Kopf geschaffen.
Tüftelarbeit
Maskenbildner müssen über die Kenntnisse von Friseuren, plastischen Gestaltern oder Visagisten hinaus großes Einfühlungsvermögen in die dramaturgische Dynamik und Logik der Stücke entwickeln. Die Kostümbildner reichen als Vorlagen Figurinen bei der Maskenbildnerei ein. Da werden auch plastische Veränderungen im Gesicht verlangt, bis hin zu den hässlichsten Entstellungen. „Das Fernsehen öffnet da ein weites Feld“, erzählt die Oldenburgerin.
Kompromisse stehen am Ende manchen künstlerischen Ringens. Die Fabelwelt der „unendlichen Geschichte“ verlangte Tüftelarbeit. Die Kindliche Kaiserin sollte fliegen, dabei mussten ihre Haare über den Boden hinausreichen. Bei den ersten Versuchen verhedderten sie sich. Doch, Ehrensache, es gab natürlich eine Lösung.
Folglich bleiben auch Ältere von Nutzen, selbst wenn die Falten nicht mehr wegzuschminken sind. „Sie eignen sich gut als Trolle oder Gnomen”, meint Greta Bastir. Tja, damit muss man leben.
