OLDENBURG - Ein guter Generalintendant weiß, wo in seinem Theater die guten Leute für schlechte Zeiten sitzen. Für schlechte Zeiten hat der Theatergeist gesorgt. Er ist vergrällt, warum auch immer. Am spannenden Oldenburger Spielplan kann es nicht gelegen haben. Egal wie: Alle Theaterleute werden sich in Lebkuchen verwandeln, wenn sie den Fluch nicht am Sonntag zwischen Viertel nach Elf und Viertel nach Zwölf im Kleinen Haus bannen.

Ein guter Generalintendant holt keine teure Beraterfirma ins Haus. Er hat schließlich Brit Bartuschka. Die ist Requisiteurin. „Liebe Brit“, hat er ihr auf einen Zettel geschrieben, „du musst das Theater retten! Dein Markus Müller.” Au je, ist die Brit nun aufgeregt. Doch sie kennt ihre Stärken: „Ich kann aus Hagebuttentee Rotwein machen, und aus Rasierschaum Sahnetorten zaubern.“ Das sind Requisiten, die ein gutes Theater braucht.

Eine gute Requisiteurin weiß, wo sie ihre verlässlichen Helfer findet: Zum einen bei „Stephania, Gregor, Walter, Joaquim und Jens vom Staatsorchester“, also Stephania Lixfeld (Flöte), die auch das Konzept entworfen hat, Gregor Daul (Oboe), Walter Katzenberger (Klarinette), Joaquim Palet (Horn) und Jens Pfaff (Fagott). Zum anderen bei den Zauberkindern im Saal, denn ganz speziell für sie und ihre Eltern ist dieses 5. Kammerkonzert gemacht.

Gute Musiker haben immer „rein zufällig“ im richtigen Moment die richtige Musik auf Lager: aus der „Zauberflöte“ von Mozart, aus „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, aus dem „Sommernachtstraum“ von Mendelssohn und dem „Freischütz“ von Carl Maria von Weber.

Die Fünf sind so gut, dass sie auch in der Mozart-Ouvertüre höllisch aufpassen. In der Pause vor dem dreimaligen Akkord könnte man ja denken, die Musik ist zu Ende und unpassend klatschen. Aber da holt das Bläserquintett richtig deutlich tief Luft. Weiter geht’s!

Die Besten sind jedoch die Zauberkinder. Das sind die Mutigen, die sich auf die Bühne trauen, um den verwunschenen Koffer zu öffnen und am Ende sieben Requisiten daraus in ein magisches Beschwörungsfeuer zu werfen. Ach, es melden sich so viele, dass Brit gar nicht alle mitnehmen kann. Kann da ein übel gelaunter Theatergeist dauerhaft missmutig bleiben? Kann er nicht. Statt Lebkuchen gibt es im Theater also wieder König Lear, Faust oder Bioboxes.

Aber ohne Zauber endet die Geisterstunde nicht. Was wäre denn ein Leben ohne Verzauberung? Also gehen alle Eltern und Kinder verzaubert nach Hause. Das ist ein sehr guter Zauber.