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NWZonline.de Nachrichten Kultur

In Oldenburg zirpt’s und brüllt’s im Museum

03.11.2018

Oldenburg „Ist alles so schön bunt hier“, sang einst Rocksängerin Nina Hagen. Bunt ist die neue Ausstellung im Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch zwar auch, aber in erster Linie ist „alles so schön laut hier“. Rechts summen Bienen (aus dem Lautsprecher), in der Mitte zirpen Grillen – echte Zweifleck-Feldgrillen, um genau zu sein –, dazwischen undefinierbare Laute, und hinten brüllt ein präparierter Orang-Utan. Die Menagerie gleich neben ihm hält glücklicherweise den Schnabel beziehungsweise das Maul. Kein Zweifel: Es geht um Tiere, nämlich um Tiere in der Kinderliteratur und in der Natur.

400 Quadratmeter

Die Schau ist in Kooperation mit der Oldenburger Forschungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur der Universität Oldenburg entstanden und ist zugleich Nebenstelle und Verlängerung der Kibum, in der es ebenfalls „Total tierisch“ zugeht. Ausgestellt sind rund 250 Exponate auf 400 Quadratmetern, die so geschickt angeordnet sind, dass man in verschiedene Welten einzutauchen meint. Dabei haben sich die Kuratoren auf neun Buchtitel beschränkt, historische und aktuelle – von der „Biene Maja“ (Waldemar Bonsels, 1912) und „Bambi“ (Felix Salten, 1923) über den Hamster „Freddy“ (Dietlof Reiche, 1998) bis zu „Krasshüpfer“ (Simon van der Geest, 2016).

Eröffnung an diesem Sonntag

Die Ausstellung „Erzähl mir vom Tier. Tiere in der Kinderliteratur und in der Natur“ wird an diesem Sonntag um 11.15 Uhr im Landesmuseum Natur und Mensch (Damm 38–44) eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 28. April 2019.

Zum Rahmenprogramm gehören unter anderem eine interaktive Science-Show „Tierstimmen und Geräuschwerkzeuge“ (25. November) und ein Familientag (10. Februar 2019).

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 9–17 Uhr, samstags und sonntags 10–18 Uhr. Der Ausstellungskatalog kostet 14 Euro.

In kleinen Inszenierungen greift die interaktive Ausstellung Stimmung und Handlungsorte der Bücher auf – Wald und Wiese, Haus und Käfig. In Kinderbüchern agieren Tiere oft als Betrachter und Welterklärer, das Museum macht gewissermaßen aus der naturkundlichen Perspektive den Abgleich mit der Realität und zeigt, wie Tiere als Projektionsfläche für das menschliche Selbstverständnis dienen.

Was sich wissenschaftlich anhört, ist in der Umsetzung überaus fantasievoll und aufwendig angereichert mit Filmausschnitten, Audiotexten, lebendem Getier, Papiertheater, Stop-Motion-Filmen von Studierenden der Universität und Tierpräparaten aus dem Naturalien-Cabinett des Museums, die ganz nebenbei Erich Kästners „Konferenz der Tiere“ von 1949 nachbilden.

Wer immer seinem Gehör folgt, landet zunächst bei der Biene Maja und ihren realen Verwandten, die in einem Filmausschnitt von 1926 gegen Hornissen kämpfen oder als Projektion auf dem Fußboden den „Schwänzeltanz“ vollführen. In der urbanen Abteilung versinnbildlichen zirpende Grillen und stumme Riesenheuschrecken die Faszination für Insekten, die den Jungen Hidde in dem Roman „Krasshüpfer“ umtreibt. Er wünscht sich ihre Eigenschaften, um sich gegen seinen älteren Bruder wehren zu können.

Ein stilisierter hölzerner Käfig ist Blickfang der Ausstellung und mit gleich drei Kinderbüchern verknüpft, die einen kritischen Blick auf den Umgang des Menschen mit der Kreatur werfen. Und hier werden die Kuratoren durchaus pädagogisch. Der Einstieg ist harmlos und witzig mit dem Buch „Josef Schaf will auch einen Menschen“ (2002) von Kirsten Boie und Philipp Wae­chter, das mal eben die Rollen vertauscht: Ein kleines Schaf wünscht sich sehnlichst einen Menschen zum Spielen – mit allen Konsequenzen.

Zwei weitere wunderschön gestaltete Bilderbücher transportieren das Thema kritischer: „Zoo“ von Anthony Browne (1992) und „Lass mich frei!“ von Patrick George (2016). Bei Letzterem kann der Leser durch einfaches Umblättern einer transparenten Folie den Tieren zur Freiheit verhelfen.

Perspektivwechsel

Der Perspektivwechsel ist perfekt, wenn Besucher den Käfig betreten. Nicht nur dass sie von innen auf die präparierten Vögel draußen blicken, sie werden auch mit Beispielen konfrontiert, die verdeutlichen, mit wie wenig Achtung der Mensch dem Tier begegnet: Am Gitter hängt ein Ozelotmantel, und in einer Vitrine stehen Pumps aus Krokodilleder. Stummer geht’s nicht.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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