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Us-Historikerin Deborah Lipstadt Im Oldenburger Rathaus Vorgestellt Dem Bösen mutig die Stirn geboten

Regina Jerichow

Oldenburg - „Wölfe im Schafspelz“ – so nennt Deborah Esther Lipstadt alle Antisemiten, Rassisten und Extremisten von heute. Von den 1940er bis zu den frühen 1970er Jahren seien sie sicht- und erkennbar gewesen, wie die Neonazis, die sich in den USA offen zu Hitler und das Dritte Reich bekannten. Nun aber sei ihr Auftreten als „respektabler Diskurs“ getarnt. Dass antisemitisches Gedankengut ganz unauffällig in die Gesellschaft „kriecht“, macht die Holocaustforscherin und aktuelle Carl-von-Ossietzky-Preisträgerin auch an einem deutschen Beispiel fest: Einen Aufschrei über die Rapper Farid Bang und Kollegah und ihre antisemitische Liedzeile habe es erst nach der Echo-Verleihung gegeben.

Als „hervorragende Preisträgerin“ stellte Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) am Donnerstag die amerikanische Historikerin im Rathaus vor, deren Arbeit und Leistung „aktueller sind, als wir uns das vielleicht wünschen würden“. Die 70-jährige – sie lehrt seit 1993 als Professorin für Moderne Jüdische Geschichte und Holocauststudien an der Emory University in Atlanta – erhält den mit 10 000 Euro dotierten Preis an diesem Freitag „aufgrund ihres konsequenten und unerschrockenen Einsatzes für die historische Wahrheit und Menschenwürde“. Als Sprecherin der Jury betonte die Literaturwissenschaftlerin Sabine Doering deren Mut und Courage, die zeigten, „dass es sich lohnt, für die Wahrheit zu kämpfen“.

Keine andere Wahl

Mut? Courage? Mit ihrer sonoren Stimme wehrt die Amerikanerin fast verlegen ab. Ihr sei gar keine andere Wahl geblieben. Bekannt wurde Lipstadt vor allem wegen ihres Buches „Denying the Holocaust“ („Betrifft: Leugnen des Holocaust“) und wegen des anschließenden, langjährigen Prozesses: Der britische Holocaustleugner David Irving hatte sie und ihren Verlag 1996 wegen übler Nachrede, Beleidigung und Geschäftsschädigung verklagt. Nach dem englischen Rechtssystem lag die Beweislast bei Lipstadt und ihren Anwälten. Sie mussten also nachweisen, dass Irving zu Recht als Bewunderer Hitlers, Geschichtsklitterer und gefährliches Sprachrohr der Holocaustleugner bezeichnet wurde. Am 11. April 2000 wurde Irvings Klage abgewiesen, Lipstadt und der Verlag erhielten recht.

In dem Prozess sei es nicht darum gegangen, zu beweisen, was passiert ist, erläutert die Historikerin mit leichtem Nachdruck, während der Übersetzer fleißig seine Notizen macht. Sondern zu zeigen, dass Irving und andere „keinerlei Beweise“ für ihre Verleugnung des Holocaust hatten. Dass der Prozess ihr Leben derart beeinflussen könnte, habe sie sich nie träumen lassen, sagt die gebürtige New Yorkerin, die in einem jüdischen Elternhaus aufwuchs. Der Vater war 1926 von Hamburg aus in die USA emigriert. Anfangs hatte sie Irvings Thesen nur lächerlich gefunden, wie etwa die Behauptung „Elvis lebt“.

Besonders wertvoll

Für einen Menschen, der seine Zeit mit Büchern, in Bibliotheken, Hörsälen und am Computer verbringe, sagt die Preisträgerin, sei die Oldenburger Auszeichnung besonders wertvoll: „Das gibt Kraft.“ Und es zeige, „dass man mit dem, was man tut, eine Wirkung erzielt“. Die größte Belohnung ihres Lebens sei jedoch, dass sie die Chance erhalten habe, „dem Bösen, diesem hasserfüllten Menschen, die Stirn bieten zu können“.

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