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Veranstaltung Mehr vorgespielt als vorgelesen

Regina Jerichow

OLDENBURG - Mit acht fing sie an zu schreiben, mit 19 verfasste sie ihren ersten Schmöker, heute, mit 41, erscheinen ihre Bücher in 13 Sprachen und erreichen Millionen-Auflagen. Keine Frage: Tanja Kinkel ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Deutschlands, ein Star der leichten Literatur. Wer aber denkt, ihre solide und fleißig recherchierten Romane seien Spannung pur, der hat sie noch nicht daraus vortragen hören: kein Nuscheln, kein Stottern, kein Haspeln. Sie ist so in der Welt ihrer Imagination versunken, dass sie in die Rollen ihrer Protagonisten schlüpft und mehr vorspielt als vorliest.

Im ausverkauften Saal des Oldenburger Kulturzentrums PFL kam am Donnerstagabend ein überwiegend weibliches Publikum in den Genuss einer dieser ungewöhnlichen Lesungen. Die 1969 in Bamberg geborene Autorin war Gast der

NWZ

 -Reihe „Begegnungen“. In ihren überwiegend historischen Romanen reise sie durch Epochen und Weltgegenden, sagte Dr. Reinhard Tschapke, Leiter der

NWZ

 -Kulturredaktion, zur Einführung: „Karl May wäre neidisch auf sie gewesen.“ Ihre Kenntnisse seien verblüffend, ihre Bücher lese man nicht, „man verschlingt sie“.

An den Fakten orientiert

Mitgebracht hatte Tanja Kinkel ihren aktuellen Roman mit dem Titel „Im Schatten der Königin“. Es ist bereits ihr 13. Buch und spielt im England des 16. Jahrhunderts zur Zeit der jungen Elizabeth I., genauer: in einer Septemberwoche des Jahres 1560, als ein Skandal das Land erschütterte. Die Frau von Robert Dudley – Elizabeths Jugendfreund und Favorit – ist aus ungeklärter Ursache die Treppe hinabgestürzt und hat sich das Genick gebrochen. Unfall? Suizid? Oder Mord?

Hauptverdächtiger ist jedenfalls Dudley: Dass es ganz leicht ist, sich seiner Frau zu entledigen, um eine andere heiraten zu können, hatte ja schon König Heinrich VIII. vorgemacht. Um den Verdacht auszuräumen und die Sache zu klären, schickt Dudley seinen Vetter Tom Blount los. So wird der Historienroman unversehens zum Krimi.

Die Schriftstellerin hat sich in ihrem Buch eng an die Fakten gehalten, sich aber die Freiheit genommen, die Erzählperspektive auf zwei Figuren zu verteilen: auf Blount und Kat Ashley, die Gouvernante der Königin. Beiden und einigen Nebenfiguren leiht die hoch gewachsene, seltsam mädchenhaft wirkende Autorin während der Lesung ihre Stimme, unterstreicht mit sparsamen Gesten ihrer endlos schlanken Hände einzelne Dialogpassagen und scheut nicht davor zurück, auch mimisch Akzente zu setzen: eine gelungene Vorstellung.

Jahrelange Recherche

Im anschließenden Gespräch mit Tschapke und dem Publikum verrät sie bereitwillig, wenn auch nervös Details aus ihrer Schreibwerkstatt: etwa dass sie auch für einen Gegenwartsroman wie „Götterdämmerung“ jahrelang recherchieren muss und dass sie ihre Reisen dazu nutzt, Schauplätze zu erkunden. Nur Pech, dass das Anwesen, in dem Dudleys Ehefrau zu Tode kam, schon vor 200 Jahren abgerissen wurde. Was weitere Recherchen erforderte.

Und so sehr sie Geschichte auch fasziniert, ist Tanja Kinkel doch pragmatisch genug, die Gegenwart vorzuziehen: „In einer anderen Epoche wäre ich als Frau in meinem jetzigen Alter wahrscheinlich schon tot,“ sagt sie entschieden. „Und vorher hätte ich alle meine Zähne verloren.“

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