OLDENBURG - Heißt sehen verstehen? Und ist das, was wir sehen auch wirklich? Diesen und weiteren bisweilen philosophischen Fragen stellte sich die Expertenrunde bei den dritten Oldenburger Schlossgesprächen mit dem Titel Heißt sehen verstehen? Die neue Macht der Bilder am Montagabend.
Initiiert wurde die Podiumsdiskussion von der Universität Oldenburg, dem Hansewissenschaftskolleg Delmenhorst und der EWE-Stiftung. Dem Anspruch der Schlossgespräche, eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu sein, wurde dieser Abend gerecht.
Bibel umschreiben
In kurzweiliger Manier erhielt das Publikum Einblicke in die verschiedenen Disziplinen, die sich wissenschaftlich mit Bildern in ihren verschiedensten Ausprägungen befassen. Die zentralen Fragen des Abends, wie Bilder Macht auf die Menschen ausüben und wie die Menschen damit umgehen, wurden sowohl aus naturwissenschaftlicher als auch aus kultur- und kunsthistorischer Perspektive beleuchtet. ZDF-Moderatorin Maybrit Illner behielt dabei den Überblick und führte souverän durch das Gespräch.
Trotz unterschiedlicher Positionen waren sich die Experten weitestgehend darin einig, dass Bilder das Leben der Menschen schon immer bestimmt haben, heute jedoch mehr denn je. Der Bildforscher Prof. Dr. Gottfried Boehm von der Universität Basel erklärte, die Menschen hätte schon in frühster Zeit das Bedürfnis gehabt, Artefakte herzustellen. So seien die Faustkeile der ersten Menschen nicht nur Werkzeuge, sondern auch Bilder gewesen. Angespitzt von Maybrit Illner, wagte er die These, dass man eigentlich die Bibel umschreiben müsste, denn am Anfang war nicht das Wort, sondern das Bild.
Bilder können täuschen
Diskutiert wurden in der Runde auch die Möglichkeiten des Missbrauchs von Bildern, da es so viele Bilder gibt wie nie zuvor. Jeder kann Bilder erzeugen und hat über das Internet nahezu unbegrenzte Verbreitungsmöglichkeiten. Die Gefahr, Täuschungen zu unterliegen, steigt. Boehm betonte deshalb, dass angesichts der Bilderflut eine fundierte wissenschaftliche Aufklärung zum Umgang mit Bildern für die nachwachsenden Generationen erfolgen müsse. Wir brauchen ein System zur Kritik der Bilder, so Boehm.
