Navigation überspringen
nordwest-zeitung

Videokunst Mit rassistischer Gewalt im Alltag konfrontiert

Künstler und Filmemacher Mario Pfeifer – zugeschaltet per Video – vor der Installation „Blacktivism“.

Künstler und Filmemacher Mario Pfeifer – zugeschaltet per Video – vor der Installation „Blacktivism“.

Torsten von Reeken

Oldenburg - „Ich möchte, dass das Publikum nachdenkt und handelt. Wie, das ist dem Publikum selbst überlassen – aber den Impuls möchte ich geben“, sagt Mario Pfeifer entschieden. Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg zeigt wegen der Corona-Sperre zunächst bis diesen Sonntag Pfeifers beeindruckende Ausstellung „Negotiating the Law – Das Recht verhandeln“. Der Videokünstler und Filmemacher arbeitet mit starken Bildern.

Hinschauen als Pflicht

Pfeifers Installationen fordern den Zuschauer heraus, hinzuschauen – wie etwa bei „Again/Noch   Einmal“ gleich zu Beginn der Ausstellung. Auf der Kinoleinwand-großen Fläche zeigt ein Video den Fall Shabaz al-Aziz. Der kurdisch-irakische Geflüchtete wurde 2016 nahe Dresden nach dem Streit mit einer Supermarktkassiererin attackiert und von vier Männern an einen Baum gefesselt. Noch vor Prozessbeginn gegen die Männer wurde Shabaz al-Aziz tot in einem Wald aufgefunden.

Mario Pfeifer hat diesen Fall rekonstruiert. Es ist ein Wechsel zwischen Realität und Fiktion, zwischen Youtube-Material aus dem Supermarkt und Szenen nach Drehbuch mit Schauspielern wie Dennenesch Zoudé und Mark Waschke.

Durch die große Bildfläche soll eine Art Sog entstehen, erklärt Mario Pfeifer – zugeschaltet per Video. Das Ausstellungspublikum werde hier Teil einer Jury und muss sich selbst ein Bild von den Ereignissen machen, sich aber auch fragen „Was hätte ich getan?“.

Im Zentrum der Ausstellung steht die neue Arbeit Pfeifers: „Zelle 5 – 800 Grad Celsius“. Sie behandelt den Fall des Sierra-Leoners Oury Jalloh, der 2005 in einer Zelle des Polizeireviers Dessau-Roßlau verbrannte. Mario Pfeifer arbeitete hier eng mit der Bewegung „Break the silence – Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ zusammen, der er in der Ausstellung auch einen eigenen Raum gab. Die Installation zitiert aus Dokumenten der Politik, Justiz und der aktivistischen Bewegung. Im Mittelpunkt steht ein Feuerzeug, dass zwar in der Zelle gefunden worden sein soll, aber keine DNA des Opfers nachwies.

Mündig arbeiten

„Negotiating the Law – Das Recht verhandeln“ führt dem Besucher das vor Augen, wovor er diese sonst vielleicht gern verschließen würde: struktureller Rassismus, rassistische Gewalt, Selbstjustiz. Pfeifer legt den Finger genau da hin, wo es weh tut. „Ich will, dass der Zuschauer mündig mit der Ausstellung arbeitet“, betont der Künstler.

Tonia Hysky
Tonia Hysky Redaktion Kultur/Medien
Meistgelesen

GROSSPROJEKT IN OLDENBURG Baufortschritt bei der Huntebrücke – Hier gibt’s die Bilder

DREI SOLDATEN BLICKEN ZURÜCK Reservisten erzählen vom Wehrdienst – Wie erinnern Sie sich an die Grundausbildung?

BEI GEMEINSAMER GROSSÜBUNG Polizei schießt auf Soldaten – wie konnte es dazu kommen?

LICHTERNACHT UND LANGER EINKAUFSABEND Viele Aktionen und Feuershows für die ganze Familie in Rastede

ERMITTLUNGEN DER POLIZEI LAUFEN NOCH Große Trauer nach Unfalltod eines elfjährigen Mädchens

Themen
Meistgelesene Artikel
Artikelempfehlungen der Redaktion
Fanny Brau (l.) und Stephanie Rosteck wollen weitere Eltern von Frühgeborenen für einen Treff gewinnen: „Oldenburgs Eilige“. Die Frauen herzen hier einen Kuschel-Oktopus nicht ohne Grund. Alle Frühchen bekommen auf der Intensivstation einen gehäkelten Oktopus mit langen Tentakeln geschenkt, weil sie gerne danach greifen. Für viele Eltern ist der Oktopus deshalb ein besonderes Symbol und Andenken.

TREFF FÜR ELTERN VON FRÜHGEBORENEN IN OLDENBURG Ihre Kinder sind kleine Kämpfer und große Wunder – Frühchen-Eltern zwischen Liebe, Angst, Hoffnung und Glück

Der AfD-Landesverband Niedersachsen klagte wegen kritischer Äußerungen des ehemaligen Oldenburger Polizeipräsidenten Johann Kühme.

WEGEN KÜHME-ÄUSSERUNG AfD-Klage gegen Oldenburger Polizeidirektion Mitte November vor Gericht

Wieder einmal dunkle Wolken über dem Emder VW-Werk.

NACHSCHUBPROBLEME BEI VOLKSWAGEN VW-Emden hofft auf alternative Lieferung von Halbleiter-Chips

Mit Umfrage
Wollen, dass die B401 sicherer wird (von links): die Edewechter Ratsherren Kai Hemmieoltmanns, Jürgen Kuhlmann, Uwe Heiderich-Willmer und Theodor Vehndel an der Kreuzung in Jeddeloh II.

EDEWECHTER RATSHERREN DISKUTIEREN Wie die Unfallstrecke B401 sicherer werden könnte

Feuerwehrkräfte aus Neugarmssiel, Tettens und Hohenkirchen haben am Donnerstagmorgen den Brand in Wiefels bekämpft. Mit einem Radlader wurde der Haufen auseinandergezogen.

FEUERWEHREINSATZ IM WANGERLAND Erneut brennt Abfall auf dem Nehlsen-Gelände in Wiefels

Am Freitag soll es an der Küste auch eine leichte Sturmflut geben – so die Prognose.

ORKANARTIGE BÖEN Sturm erreicht Ostfriesland in der Nacht zu Freitag – leichte Sturmflut erwartet