Oldenburg - Wann haben Menschen aufgehört, neugierig zu sein? Auf Geschichten zu reagieren aus fremden Kulturkreisen? Und dem Unbekannten mit Offenheit, Wissbegierde und Freundlichkeit zu begegnen? Dabei sind es doch jahrtausendelang Begebenheiten gewesen, die in Generationen weit vor der Erfindung des Buchdrucks und viel später des Internets weitergetragen wurden.

In der Weltliteratur finden sich dazu Überlieferungen aus dem Orient, die am Donnerstagabend als Ballett-Aufführung „Scheherazade erzählt – aus 1001 Nacht“ des Staatstheaters im Uferpalast Premiere feierte.

In aller Opulenz der Farben und Kleider im Theaterzelt ging es vor allem um Kommunikation. Der klassische Stoff über die Erzählerin Scheherazade und den übellaunigen Sultan, der erst unwillig, im Verlauf aber fasziniert ist von ihr und ihren spannenden Geschichten, war wunderbar Inszeniert, so man bereit war, sich darauf einzulassen.

An dieser Stelle durfte das Publikum agieren, sich vielleicht nörgelnd und drängend über die zum Teil schlechte Sicht auf das Geschehen im Rund des Zirkuszeltes äußern oder am Brummen eines Generators hinter dem Zelt stören, der gerade in stillen, musik- und dialogfreien Momenten seine eigenen Akzente setzte. Oder andererseits diese Petitessen langmütig hinnehmen und sich ganz einfach an der bezaubernden Darbietung und der einzigartigen Spielstätte am Theaterhafen erfreuen.

Choreografin Eleonora Fabrizi hatte kleine Kostbarkeiten kreiert, die von den Tänzern mit Lust und Empathie dargeboten wurden. So demonstrierte „Aladdin und die Wunderlampe“ auf leichtem Fuße Glanz und Elend plötzlichen Reichtums, der sich bekanntlich nach Reiben der Lampe und Auftritt des Geistes einstellt. „Die Geschichte von Fuchs und Wolf“ wiederum ließ dank der einfühlsamen Pantomime der beiden Tänzerinnen die Tiere lebendig werden.

War die kleine Bühne im ersten Teil eher nur Plattform, wurde sie bei „Ali Baba und die 40 Räuber“ zum Spielfeld. Hier zeigte sich, wie kreativ die Bühnenbauer trotz eingeschränkter Möglichkeiten sein können. Nach der Formel „Sesam öffne dich!“ trennte sich ein Fels in zwei Hälften, Gold und Glanz strahlten aus ihm ins weite Rund der Zuschauer. Davor wuselten Räuber so unübersichtlich durcheinander, dass niemand verlässlich sagen konnte, ob es sieben, 23 oder 40 waren.

Dass Kurzgeschichten wie ein spritziger Cocktail besser zu einem warmen Sommerabend passen, zeigte sich auch am tosenden Schlussapplaus nach gerade mal 50 Minuten. Und dass auch viele Familien mit Kindern den Weg in den Uferpalast gefunden hatten, ließ die Veranstaltung zum doppelten Vergnügen werden. Sind es doch Erlebnisse wie dieser besondere Abend, die von Generation zu Generation weitergetragen werden.

Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)