Oldenburg - Manchmal sind Regisseure, Musiker, Schauspieler und Dramaturgen nicht zu beneiden. Es gibt Projekte, die verlangen den Mitwirkenden einiges ab. So auch die aktuelle Theaterproduktion der Medienkünstlerin Luise Vogt „Dokusoap. Episode 451“, die am 23. Februar Premiere in der Exerzierhalle feiert. Da musste das Team vorab zur Recherche ein halbes Jahr lang „tief ins Herz des Privatfernsehens eintauchen“, wie Dramaturg Jonas Hennicke erklärt.

Das Stück beschäftigt sich nämlich mit den sogenannten Dokusoaps, was sich in etwa mit „dokumentarische Seifenoper“ übersetzen lässt. Also jene Fernsehformate, die eine Dokumentation mit all ihrer Authentizität und Spontanität vorgaukeln, in Wirklichkeit aber durchinszenierte Shows sind. Emotionen und Probleme, die oft überdramatisiert werden, stehen im Vordergrund.

Regisseurin Luise Vogt und ihr Team haben diese Formate genau analysiert und festgestellt, dass sie eigentlich nach dem Muster einer griechischen Tragödie funktionieren. Durch ein sogenanntes „Reenactment“ (engl. Nachstellung) versuchen sie, diese traditionellen Erzählmuster aufzuzeigen. Dabei wird jeder Schnitt und jede Geste einer bestimmten Folge einer bekannten Vorabendserie 1:1 auf der Bühne nachgestellt und kopiert. Laut Hennicke war die Herangehensweise teilweise schon wissenschaftlich, das Ergebnis sei aber sehr unterhaltsam.

Der Blick auf die Bühne der Exerzierhalle wird eingerahmt von einer Art riesigem Fernseher. Links und rechts des Spielraumes sind zweidimensionale Requisiten aus Pappe angeordnet, um bei Bedarf sofort griffbereit zu sein. Denn beim Nachstellen muss es schnell gehen. Auch das Timing und die Schnitte der Sendung sollen genau kopiert werden, deshalb erinnere das Schauspiel an „eine schnelle, konzertante, einstudierte Choreographie“, sagt Hennicke. „Und das hohe Tempo wird zu einer schweißtreibenden Angelegenheit für die Schauspielerinnen und Schauspieler.“

Um die Schnitte zu visualisieren, werden immer nur bestimmte Bühnenabschnitte hell ausgeleuchtet. Der Rest liegt im Dunkeln. Dort bauen sich bereits andere Spieler mit ihren Requisiten auf. Ist die erste Szene zu Ende, wird der neue Abschnitt beleuchtet und der erste abgedunkelt. Für die Bühnengestaltung und die schnittartige Ausleuchtung sind Luise Voigt und Stefan Bischoff verantwortlich. Clara Kaisers Kostüme sind ebenfalls eher artifiziell angelegt und passend in den RGB-Farben eines Bildschirmes gestaltet.

Die Musik von Björn SC Deigner liegt wie eine Fläche unter dem ganzen Abend. Üblicherweise werden die Dokusoaps mit bekannten Liedern untermalt, die bestimmte Emotionen hervorrufen sollen. Diese Lieder wurden von Deigner neu in Szene gesetzt, indem er sie in Barockmusik umgesetzt hat. Die im ersten Moment ungewöhnliche Verbindung erklärt Hennicke so: „Barock hat auch diese Artifizialität und Konstruiertheit. Das haben wir übertragen. Im Hintergrund wird man immer erkennen, in welche Richtung es geht und woher es zitiert ist.“

Welches Format genau bei „Dokusoap. Episode 451“ nachgestellt wird, möchte Hennicke nicht verraten. Auch in der Vorstellung selbst wird es nicht konkretisiert. Das ist nicht nur ein künstlerischer Kniff, sondern beugt auch rechtlichen Problemen vor. Aber der Dramaturg ist sich sicher, dass die Zuschauer erkennen werden, worum es sich handeln könnte.

Es spielen acht Schauspieler, die jedoch in insgesamt 30 Rollen zu sehen sein werden. Zwei der Schauspieler sind Studenten der „Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover“, mit der das Oldenburgische Staatstheater eine Kooperation unterhält.