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Vorhang Berührender Blick in Welt der Bohemiens

Simone Wiegand

OLDENBURG - Schon in den vergangenen Spielzeiten standen mit „Madame Butterfly“ und „Tosca“ Opern von Giacomo Puccini (1858-1924) auf dem Spielplan des Oldenburgischen Staatstheaters. Nun feiert seine wohl beste Schöpfung, „La Bohème“, Premiere im Großen Haus.

„Das hat Puccini schon genial gemacht“, sagt Dramaturg Lars Gebhardt über das 1896 uraufgeführte Werk. „La Bohème“ besitze einfach alles, was eine gute Oper ausmache. „Sie geht sofort unter die Haut. Die Musik hat eine hohe Schnelligkeit, ist wunderbar, sehr ehrlich und anrührend, aber auch witzig, ironisch und sarkastisch.“

„La Bohème“, Puccinis Pariser Künstlerwelt, ist arm. Der Dichter Rodolfo (Stefan Heibach), der Maler Marcello (Paul Brady), der Musiker Schaunard (Peter Felix Bauer) und der Philosoph Colline (Andrey Valiguras) haben kaum zu essen und sehnen sich nach Wärme. In diesem Milieu begegnen und verlieben sich Rodolfo und die sterbenskranke Mimi (Angela Bic).

Im ersten Bild der Oper sieht man sie frierend vor einer Frittenbude stehen, über der ein heller Stern am Himmel strahlt. „Hier wird allegorisch die Weihnachtsgeschichte erzählt“, erläutert der Dramaturg und ergänzt lächelnd: „Solche Geschichten wie die von Rodolfo und Mimi passen auch in den Sommer.“

Im zweiten von insgesamt vier Bildern, die auf dem Roman von Henri Murgers „La vie de Bohème“ beruhen, explodiert die bis dahin beschauliche Stimmung. Das Große Haus des Staatstheaters wird zu einem gigantischen Kaufhaus. Chor und Extrachor strömen in den Zuschauerraum und preisen von hier ihre Waren an. Auf der Bühne lockt eine pompöse Schaufensterauslage mit Sekt und all jenen Köstlichkeiten, die den Bohemiens versagt bleiben.

Weil die Inszenierung im Staatstheater eher in der Gegenwart spielt als im Paris um 1850, offenbart das dritte Bild den ganzen Müll eines allzu überschwänglichen, weihnachtlichen Konsumrausches. „Es ist wie in der Vorhölle, kalt und eingefroren“, vergleicht Lars Gebhardt. Das vierte und letzte Bild schließt dann den Kreis und nähert sich nach gut zwei Stunden dem Beginn der Oper: Mimi stirbt.

Mit „La Bohème“ stellt sich der in Locarno geborene Lorenzo Fioroni erstmals dem Oldenburger Publikum vor. Fioroni ist ausgebildeter Cellist und hat in Hamburg Opernregie studiert. Seine Handschrift beschreibt Dramaturg Lars Gebhardt so: „Er inszeniert nicht nur große Operngesten, sondern im Detail und zwar sehr liebevoll und mit viel Witz.“

Johannes Stert, der auch bei „Cardillac“ am Pult stand, dirigiert das Oldenburgische Staatsorchester. Thomas Bönisch leitet Opern-, Extra-, Kinder- und Jugendchor. Zu den weiteren Solisten zählen Henry Kiichli, Inga-Britt Andersson, Michael Pegher und Mykola Pavlenko.

 @ Alle Vorhang-Ankündigungen in einem Theater-Spezial unter

http://www.NWZonline.de/theater

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