OLDENBURG - Exil ist anderswo. Oldenburgs Theaterleute haben sich längst mit ihrem Schicksal, ein Jahr von der angestammten Spielstätte vertrieben zu sein, arrangiert – und sie machen es sich richtig muckelig in ihrer „Wahlheimat“. Die riesige Halle 10 auf dem Fliegerhorst erlebt ihren Umbau vom Hangar zur Theaterbühne Tag für Tag intensiver – und vor der Tür steht seit Freitag eine Bushaltestelle.
Genau: Hier befindet sich nun die Endstation einer nagelneuen Buslinie, die VWG-Chef Michael Emschermann, Generalintendant Markus Müller und Hans-Heinrich Schrievers als Vertreter des Grundeigentümers BIMA am Freitag einweihten. Ab 11. September sollen an dieser Haltestelle die Gelenkbusse ankommen, mit denen der Shuttle-Service zwischen der Spielstätte am Theaterwall (die nun gründlich saniert wird) und der Ausweichstätte im Stadtteil Alexandersfeld (deren Umbau voll im Zeitplan liegt) organisiert wird.
„Alles kostenlos“, versichert Emschermann, „wir bestreiten die Ausgaben für die Fahrt aus unserem Marketing-Topf.“ Was Müller ganz gut passt, schließlich ist die Renovierung des alten Theaters mit zwei Millionen Euro nicht gerade billig. Wichtiger sei ihm aber, dass er nun eine weitere gute Antwort parat habe, wenn jemand eine Ausrede vorträgt, warum er nicht ins Theater gehen könne: Hier gibt es 466 Parkplätze direkt vor der Tür, und hier gibt es die temporäre Endhaltestelle.“
Rein verkehrstechnisch bedient der Shuttle-Bus die Strecke an der Alexanderstraße. Abfahrt ist jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn, dann geht die Fahrt mit 15 Zwischenstationen (u.a. Lappan, ZOB, Pferdemarkt, Melkbrink, Frankenstraße) zum Fliegerhorst. Nach knapp 25 Minuten ist man vor Ort und kann sich in Ruhe auf die Vorstellung einstimmen. Zurück geht es eine Viertelstunde nach Vorstellungsende.
Vor der ersten Vorstellung (Brechts „Dreigroschenoper“ am 11. September um 19.30 Uhr) ist Markus Müller nicht bange. „Alles wird fertig sein“, grinst er und setzt sich auf einen der ersten komfortablen Sitze im Zuschauerraum. 673 davon wird es am Ende geben, 221 leicht versenkt in Richtung Orchestergraben. Von seinem Platz aus kann er einen Blick werfen auf die Seitenwände, die gedämmt werden für eine gute Akustik, auf die zwei Foyers oder den Sanitärbereich (der gerade eher aufgerissen wirkt).
„Ich liebe diese Region“, bekennt der Theatermann mit Blick auf die vielen Helfer.. „Hier stehen wirklich alle zusammen, wenn Unterstützung nötig ist und wenn es drauf ankommt.“ Hans-Heinrich Schrievers vom Halleneigentümer BIMA bedankt sich: „Wir helfen, wo wir können. Das Projekt hier wird nämlich bundesweit beobachtet, um zu erfahren, was man mit ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaften anstellen kann, bevor sie verkauft werden.“ Theater beherbergen zum Beispiel.
