Oldenburg - Bei der Geschichte um den Räuber Hotzenplotz handelt es sich um eine ganz klassische Kasperlgeschichte, wie man sie auch aus dem Puppentheater kennt.

Natürlich treten der Kasperl und sein Freund Seppl auf. Auch die Großmutter von Kasperl ist dabei. Dazu gesellen sich neben dem Räuber noch ein Polizist und ein Zauberer. „Das sind alles sehr holzschnittartige Figuren, die man vermeintlich klar in Gut und Böse einteilen kann. Der Witz liegt darin, dass sie dem Zuschauer erstmal als naiv, wenn nicht sogar dumm erscheinen. Erst hinterrücks wird die Moral der Geschichte übertragen: Denk nach, bevor du handelst“, erläutert Dramaturg Matthias Grön die Anlage der Figuren. In der Inszenierung bekommt diese typische Figurengestaltung aber noch einen besonderen Dreh. „Ekat Cordes nutzt diese holzschnittartige Figurenanlage, mit der er die vermeintliche Gut- und Böseeinteilung hinterfragt“, fährt Grön fort. Da entpuppt sich der Hotzenplotz im Grunde genommen als waschechter Kleptomane. Er nimmt alles, was anderen Spaß macht, an sich und erhofft sich, dadurch auch endlich glücklich zu werden. Doch das funktioniert natürlich nicht, denn das pure Anhäufen von Gegenständen macht eben einfach nicht glücklich. Das versteht der Räuber aber nicht und wird letztendlich zur tragischen Figur.

Aber keine Sorge. Es handelt sich hier ja um eine lustige Kasperlgeschichte und da gibt es natürlich auch jede Menge zu lachen. Etwa wenn sich die Großmutter auch als Langfinger entpuppt und zwischendurch mit ihrer immer voller behangenen Gehhilfe über die Bühne zuckelt. Die Geschichte wird sonst nahezu identisch mit dem Buch erzählt. Es kommen jedoch einige Lieder hinzu, deren Texte Regisseur Ekat Cordes selbst verfasst hat. Die Musik und das Sounddesign stammen von Anton Berman und machen das Stück moderner. Auch die Kostüme von Dinah Ehm peppen die Figuren auf. Wer die alten Illustrationen und Filme kennt, wird einiges wiedererkennen, sie haben jedoch eine gewisse Aktualisierung erfahren und sind deutlich bunter geworden. Das Bühnenbild bedient sich zweidimensionaler Elemente, die ähnlich wie im Barocktheater den Spielraum bestücken. Diese comicartigen Kulissen sorgen schnell für neue Räume.

Neben den professionellen Schauspielern werden auch dieses Jahr wieder zwei Gebärdensprachdolmetscher bei einzelnen Vorstellungen mit auf der Bühne stehen. Sie stehen dabei nicht am Rand, sondern laufen wie Schattenspieler mit den Schauspielern mit. Sie werden auch optisch den Figuren angepasst, damit für die Gehörlosen sofort erkennbar ist, welcher Charakter gerade spricht.

Das Stück ist für Kinder ab sechs geeignet. Kleinere sind häufig von der Größe des Theaters so beeindruckt, dass das Theatervergnügen auf der Strecke bleibt. Außerdem werden Stilmittel verwendet, die ein jüngeres Publikum noch nicht einordnen kann.