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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Martin Tingvall lässt Kirche erbeben

15.09.2019

Oldenburg Die Tiefe des Raumes hatte Martin Tingvall sehr schnell ergriffen. Der Nachhall der Oldenburger Garnisonkirche forderte den Weltklasse-Jazzpianisten heraus, doch wenige Sekunden genügten dem Profi, um sich den Steinway-Flügel gefügig zu machen. Die ersten Takte von „The Rocket“ waren der Countdown des wunderbaren Konzertabends, um die Rakete steigen zu lassen und die etwa 350 Zuhörer am Freitagabend mit auf die mehr als anderthalbstündige Reise zu nehmen. Die dankten es ihm am Ende mit stehenden Ovationen und tosendem Applaus.

„The Rocket“ sei ihm als Titel einfach so eingefallen, erzählte Tingvall. Vielleicht ist daran die Mondlandung vor 50 Jahren schuld. „Themen wie Raumfahrt und Astronomie haben mich immer interessiert. Alle Dinge, die zu groß sind, um sie nebenbei abzuhandeln. Dann fühle ich mich ganz klein. Dazu gehört für mich auch die Frage, warum es etwas in den Menschen auslöst, wenn sie dieses oder jenes Stück von mir hören“, hatte er der Nordwest-Zeitung im Vorgespräch erzählt.

Den sakralen Raum bespielte Tingvall mit nötiger Demut, verzichtete auf überbordende Gestik, die man von den Auftritten mit seinem Trio gewohnt ist. Er legte dennoch viel Wert auf Leichtigkeit, ließ seine Finger freimütig über die Tasten hüpfen. Die Akustik war einer Kirche entsprechend. Wo nötig, akzentuierte der Pianist auf andere Weise und passte das Tempo an. Zwischendurch plauderte er auf Deutsch mit schwedischem Akzent ins Mikro - was allerdings über die Lautsprecher nicht immer deutlich zu verstehen war.

Bild: Oliver Schulz

Tingvall tut, was er kann - und das herausragend. „Auf dem Klavier kann man alle Register spielen - von minimalistisch bis gewaltig. Das gibt einem unglaublich viele Möglichkeiten, aber es ist auch eine große Herausforderung“, hatte der 45-Jährige der NWZ verraten. Tingvall ist selbstkritisch genug, zu entscheiden, was er seinem Publikum zumutet. „Ich probiere am Klavier ständig dieses und jenes; so wie ich jeden Tag komponiere. Aber nicht immer wird etwas daraus.“

Drei Solo-Alben hat er inzwischen herausgebracht. Nach „En ny dag“ (Ein neuer Tag/2012) und „Distance“ (2015) ist „The Rocket“ eine noch stärkere Hinwendung zu musikalischem Minimalismus. Dass diese Reduktion vor Publikum mindestens genauso funktioniert wie derzeit in den Verkaufscharts, hat der sympathische Martin Tingvall eindrucksvoll bewiesen.

Oliver Schulz Redakteur / Kulturredaktion
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