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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Aufsehenerregender Fund in Landesbibliothek Oldenburg: Dürer-Experte: Freude am Detail weist auf den Meister

01.07.2022

Oldenburg /Wien Ein echter Dürer? In der Landesbibliothek Oldenburg? Plötzlich so gefunden – kann das sein? Die Präsentation einer Malerei des bekannten deutschen Künstlers im einem Buch der Landesbibliothek trifft auf Staunen. Es war der Hartnäckigkeit der Oldenburger Forscher und einer Portion Glück zu verdanken, dass die Verfasserschaft Dürers über eine Quelle aus dem 17. Jahrhundert bekannt wurde. Und dass der Weg des Buchs von Nürnberg über Leiden in den Niederlanden über Hannover nach Oldenburg nachvollzogen werden konnte.

Zweifel an Echtheit

Im Jubel über den wertvollen Fund schwingen allerdings Zweifel über die Echtheit mit. Das Werk stamme „möglicherweise von dem Renaissance-Künstler“ schreibt die Nachrichtenagentur dpa einschränkend. Distanzierter titelt Zeit-online: „Bibliothek will Zeichnung von Albrecht Dürer entdeckt haben“. Kritik kommt vom Bayerischen Nationalmuseum in München. Die Nähe zu Dürer stehe zwar außer ­Frage, meint Kunstgeschichtler Matthias Weniger. Doch er hätte es vorgezogen, die kunsthistorische Untersuchung abzuwarten und dann den berühmten Künstler-Namen ins Spiel zu bringen. In einem Internetforum wird Dürers Autorenschaft sogar in Abrede gestellt. Ein User meint mit Verweis auf „Farbmischung, Linienführung und Illustration“, die Zeichnung stamme „definitiv nicht von Dürer“, sondern von dessen Schüler Hans Baldung Grien.

„Allerbeste Provenienz“

Diese Kritik teilt Christof Metzger nicht. Der Chef­kurator der Albertina in Wien spricht von einer „allerbesten Provenienz“ des Fundes, nämlich aus der Bibliothek des Humanisten und Dürer-Freundes Willibald Pirckheimer (1470-1530). Technik, Stil und Erfindungsreichtum der Miniatur an sich und der nahezu lückenlos nachvollziehbare Weg des Buchs von Nürnberg nach Oldenburg sprächen klar für Dürer, meint der Fachmann des Museums im Gespräch mit unserer Redaktion. Für Herbst plant der renommierte Dürer-Experte eine Reise nach Oldenburg, um die Arbeit in Augenschein zu nehmen. „Die Seherfahrungen und -eindrücke sind ein weiterer entscheidender Faktor bei der Beurteilung“, sagt Metzger, der 2019 eine viel beachtete Dürer-Ausstellung für die Albertina kuratiert hat und ein Gesamtverzeichnis der Zeichnungen des Nürnberger Künstlers verfasst. Darin werde die sogenannte Pirckheimer-Gruppe aufgeführt, die inklusive des Oldenburger Neufundes 16 Werke umfasst, kündigt Metzger an.

Zeichnung mit Witz

Metzger verweist auf die Parallelen zwischen der Miniatur im Oldenburger Buch mit den bislang bekannten Dürer-Buchmalereien aus dem Besitz Pirckheimers. Vom Stil, den Motiven und der Art der Arbeit füge sich das Buch „bestens in diese Gruppe ein“. Typisch für Dürer seien der Naturalismus und der Einfallsreichtum der Miniatur, die Fabelwesen, Pflanzen, Tiere und Porträts bis ins kleinste Detail ausgestalte. „Da steckt auch unglaublich viel Witz drin.“

Aus der Werkstatt?

Die Vermutung, die Buchmalerei könnte nicht aus der Hand des Meisters, sondern lediglich seiner Werkstatt entstammen, kontert Metzger mit der Gegenfrage „welche Werkstatt“? Dürer habe meist als „One-man-Show“ gearbeitet. „Höchstens um Auftragsspitzen aufzufangen, waren mal einige wenige Gesellen mitbeschäftigt – aber die haben unter ihrem eigenen Namen zugearbeitet.“ Offen sei, ob Dürer die Bücher als Freundschaftsdienst oder auf Pirckheimers Auftrag hin mit Miniaturen verziert habe. Metzger berichtet von einer Diskussion in der Fachwelt, ob trotz der engen Freundschaft mit Pirckheimer Dürers persönliche Autorenschaft auch für die Buchmalereien gelte. „Einige sprechen von einem sogenannten Pirckheimer-Meister – aber ich bin entschieden für Dürer selbst.“

Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
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