OLDENBURG - Benjamin Britten schrieb die beliebte Orchesterkomposition. Durch das Programm führte „Mister Kinderkonzerte“ Lutz Lansemann.
Von Simone Wiegand
OLDENBURG - Von irgendwoher hört man Glockenläuten. Es ist kurz vor elf Uhr. Sonntagmorgen. Von allen Seiten strömen Menschen ins Staatstheater. Omas, Opas, Mütter und Väter, aber vor allem Kinder, haben sich auf den Weg zum Familienkonzert im Oldenburgischen Staatstheater gemacht. Es ist eines von vier Sonderkonzerten, das in dieser Spielzeit auf dem Programm steht.Nina ist zum ersten Mal im Staatstheater. Wie viele andere Kinder hat die Dreijährige ihre Auto-Sitzschale mitgebracht, um besser sehen zu können. Aufgeregt rutscht sie darauf hin und her, wirft noch einmal einen Blick durch ihr Papp-Fernglas und fragt ungeduldig: „Mama, wo bleibt er denn?“ Er, das ist Lutz Lansemann, auch gerne „Mister Kinderkonzerte“ genannt, weil er schon über hundert von ihnen moderiert hat. Wie etwa vor einer Woche die Oper „Hänsel und Gretel“ in Hamburg.
Zunächst nehmen die Musiker des Staatsorchesters mit Dirigent Eric Solén auf der Bühne Platz. „Da ist ja ein Kontrabass“, ruft ein kleiner Junge fasziniert. Stimmt. Später soll er erfahren, dass die Kontrabässe die „Omas und Opas der Streicher sind“ und wie schwere Schritte eines Elefanten klingen.
Dann endlich betritt Lutz Lansemann in schwarzem Frack und mit roter Fliege die Bühne. Mit einem schelmischen Grinsen und vielen Lachfalten im Gesicht. „The young person’s guide to the orchestra“, sagt er gedehnt. Denn so heißt das Stück des englischen Komponisten Benjamin Britten im Original.
„Orchester?“, fragt Lansemann seine jungen Zuhörer. „Was ist das eigentlich?“ Zeit zum Antworten bleibt dem Spaßvogel nicht. Denn die Musiker springen plötzlich auf, heben ihre Instrumente in die Höhe und spielen dann auf Zuruf des Erzählers „eine schöne Melodie von Henry Purcell“. Die Erwachsenen bekommen eine Gänsehaut, den Kindern steht der Mund offen. „Moin, moin“, brüllt der Mann im Frack ins Publikum. Ja, jetzt sind alle wach an diesem Sonntagmorgen.
Ohne den Schauspieler und Regisseur Lansemann würde das Familienkonzert vermutlich nur halb so viel Spaß machen. Zur Musik der Klarinetten schleicht er wie eine Katze. Als die Fagotte aufspielen, stakst er mit Hohlkreuz wie Dick und Doof. Zu den Celli mimt er einen sterbenden Schwan, und bei den Kontrabässen stampft er wie ein Elefant.
Aber es wird noch wilder. Die Streicher müssen tanzend geigen und das Publikum mit ihnen. Imaginär lassen Kinder und Erwachsene „ihre Flitzebögen mit Pferdehaar“ über die „braunen Holzkästen“ gleiten und drehen Pirouetten dazu. Am Ende der Vorstellung lässt Lansemann sogar alle Zuhörer ein Instrument spielen und die entsprechenden Töne dazu machen.
Nach viel Applaus und einer Zugabe strömen die Kinder nach anderthalb Stunden aus dem Theater – diesmal trommelnd, flötend, geigend und singend.
Viele Kinder
hatten ihre Auto-Sitzschale mitgebracht, um besser sehen zu können
