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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bilder, die im Innersten berühren

15.02.2020

Oldenburg Ein kleines Mädchen steht vor seiner Mutter. Es ist in Tränen aufgelöst. Doch die Mutter kann ihre Kleine nicht trösten. Denn sie wird gerade von einem US-Polizisten kontrolliert. Der Fokus des Bildes liegt auf dem Mädchen, von den Erwachsenen sind nur Beine zu sehen.

Fotograf John Moore, der für Getty Images als Special Correspondent arbeitet, schoss das Bild in der Nacht des 12. Juni 2018. Die USA hatten im Frühjahr ihre „Null-Toleranz“-Politik gegenüber illegalen Einwanderern verkündet. Unzählige Kinder wurden von den Eltern getrennt. Moores Foto geht um die Welt, das Motiv steht für die Kritik an der US-Einwanderungspolitik.

NWZ-Spezial: Die Geschichten hinter den Bildern & alle Termine

Im April 2019 erfuhr Moore, dass eine Jury sein Bild zum „World Press Photo of the Year 2019“ kürte. Jetzt ist die Ausstellung mit den 150 weltweit besten Pressefotografien aus dem vergangenen Jahr für drei Wochen im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte im Oldenburger Schloss und in der Obhut von Direktor Prof. Dr. Rainer Stamm zu sehen. Rund 7800 Fotos wurden eingereicht, sagt Marika Cukrowski, Ausstellungsmanagerin und Repräsentantin der World Press Photo Foundation in Amsterdam.

Mit ihr ist John Moore zur Ausstellungseröffnung nach Oldenburg gekommen. Er ist zum ersten Mal in Deutschland, und das, obwohl er während seines Studiums in den USA sogar Deutsch lernte, verrät er. „Als ich das Foto machte, wusste ich nicht, dass es so viele Menschen berühren würde.“ Für ihn selbst war es ein emotionaler, sehr persönlicher Moment, denn er hat eine Tochter im selben Alter wie Yana, das weinende Mädchen aus Honduras, berichtet Moore.

Das Thema beschäftigt aber nicht nur ihn. Viele der eingereichten Bilder zeigen die Migrations-Krise, erklärt Cukrowski. Dabei betreffe es nicht nur die Migrationsbewegungen an der Grenze zu den USA, sondern es sei ein globales Thema, so zum Beispiel auch im Falle Syriens.

Ein anderes Bild zeigt eine Frau, die sich in Simbabwe gegen die Wilderei einsetzt, ein weiteres einen ehemaligen Marine-Soldaten sitzend in einer Badewanne. Duschen kann er nicht mehr seit einem sexuellen Trauma während der Militär-Zeit. Gemeinsam mit den erklärenden Texten, haben die Bilder trotz ihrer Unterschiedlichkeit eines gemein: Sie gehen unter die Haut, berühren den Betrachter im Innersten.

Und das, obwohl die Bilder weniger Kriegsaufnahmen zeigen, weniger blutig sind, als in den vergangenen Jahren, sagt Claus Spitzer-Ewersmann, Geschäftsführer der Mediavanti GmbH und Initiator der Ausstellung. „Dafür sieht man mehr die Folgen, auch der Migration.“ Cukrowski bestätigt das: „Die Bilder zeigen die psychologische Gewalt.“

Das persönliche Lieblingsbild von Spitzer-Ewersmann stammt aus der neuen Kategorie „Story of the Year“, gleichwertig zum Preis „Photo of the Year“. Der Niederländer Pieter Ten Hoopen hat eine Karawane Tausender Migranten begleitet, die sich von Zentralamerika in Richtung der US-Grenze aufgemacht haben. Es geht dem Fotografen auch darum, wie sich die Liebesbeziehungen von Paaren während dieser Zeit entwickeln. Dabei macht Ten Hoopen auch das Foto von einem jungen Mädchens, das am Rande des Zuges Blumen von einem bunten Feld pflückt.

Neben dieser neuen Kategorie ist noch etwas anders, erklärt Cukrowski. Denn tatsächlich sind dieses Mal besonders viele Bilder von Fotografinnen in der Ausstellung zu sehen. „Ein Trend, von dem wir hoffen, dass er sich fortsetzt.“ Bewusst ist das allerdings nicht, der Bewertungsprozess verläuft anonym, so Cukrowski.

Ergänzt wird die Ausstellung durch die Sonderschau „Everyday Africa“.

Das Interesse an der WPP-Eröffnung mit dem amerikanischen Fotografen John Moore ist so groß, dass der Vortrag an diesem Samstag um 10.15 Uhr in den Schlosssaal verlegt wurde. Der Fotograf wird dort ausführlich von seiner Arbeit berichten und auch ganz aktuelle Bilder von seinem Einsatz in den australischen Brandgebieten zeigen.

Die Kasse im Oldenburger Schloss, Schlossplatz 1, öffnet am Samstag um 10 Uhr. Im Saal stehen 200 Plätze zur Verfügung. Der Schlossinnenhof steht nicht als Parkplatz für Besucher zur Verfügung.


     www.worldpressphotoausstellung-oldenburg.de 
  nwzonline.de/wpp-oldenburg 
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