Holle - Der lange Atem hat sich gelohnt: Am Sonntag, 13. Oktober, wird in der Holler St. Dionysius-Kirche ein Bronzerelief von Burchard Christoph Graf von Münnich eingeweiht. Der Huder Dr. Ulrich Wilke kämpft seit geraumer Zeit gegen das Vergessen des bedeutenden Staatsmannes, der im Mai vor 330 Jahren in der Vogtei „Wüstenland“ der Grafschaft Oldenburg geboren wurde, an.

Die Enthüllung des Bildnisses wird am Sonntag ab 10 Uhr im Rahmen eines Gottesdienstes gefeiert. „Ich bin nach vergeblichen langjährigen Bemühungen der Kirchengemeinde Holle sehr dankbar, dass sie nach fast 350 Jahren nach seinem Ableben, diesem bedeutenden Oldenburger in seiner Heimat einen Platz des Gedenkens zur Verfügung stellt“, freut sich Dr. Wilke.

Auch Pastor Udo Dreyer hält die St. Dionysius-Kirche für einen geeigneten Ort des Gedenkens an von Münnich: „Das passt hier sehr gut hin. Es gelte, deutlich zu machen, dass aus dem Wöschenland eine Persönlichkeit von weltgeschichtlicher Bedeutung hervorgegangen ist.“

Die Idee, eine Gedenkstätte in von Münnichs Oldenburger Heimat aufzustellen, hatte Dr. Wilke angestoßen. „Im Gemeindekirchenrat ist er damit offene Türen eingerannt“, sagt Pastor Udo Dreyer. Die Holler Kirche sei als Ruhestätte zahlreicher Vorfahren auf das Engste mit den Familien von Münnichs verbunden, so Ulrich Wilke.

Das Relief ist ein Zweitguss, das Original hängt seit dem 29. Juni 2006 in der Kirche St. Petri in St. Petersburg. Wilke hatte es anlässlich des 325. Geburtstags von Münnichs gestiftet. Der Sohn des Wüstenlander Deichgrafen Freiherr Anton von Münnich selbst hatte 1728 das Gotteshaus am Newskij Prospekt, der Prachtstraße der damaligen Hauptstadt des russischen Zarenreiches, errichten lassen.

Original und Nachguss des Reliefs stammen vom Berliner Bildhauer Claus Korch. Umgesetzt werden konnte das Vorhaben in Holle mit der Unterstützung des Fördervereins Wüsting, der die Kosten übernommen hat.

2005 hatte Dr. Wilke unter dem Titel „Von der Hunte an die Newa“ ein Buch über von Münnich veröffentlicht, 2008 ein Reprint eines 1803 verfassten biografischen Werkes über den russischen und deutschen Reichsgrafen herausgegeben. Wilke hat Würdigungen, Gemälde, Grafiken und Papiere in Deutschland, Polen, Österreich, den baltischen und skandinavischen Ländern und in St. Petersburg aufgespürt und seine Recherchen 2010 in Bänden dokumentiert.

Zu Graf von Münnichs größten Leistungen zählt der Bau des 100 Kilometer langen Ladoga-Kanals in Russland, an dem zuvor die einheimischen Ingenieure gescheitert waren. Erste Erfahrungen habe er im Wöschenland gesammelt. Seine Großeltern bewirtschafteten eine Hofstelle in Oberhausen.