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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Die Ruhe in der Brandung

21.11.2017

Oldenburger Land Ach, Mozart, ach, Violoncello (kurz: Cello). Das ist nicht einfach eine unglückliche Liebe gewesen. Es war überhaupt keine. Der Komponist empfand das Instrument als kratzig und brummig. Folglich hat er kein Cellokonzert geschrieben. Was für ein Fehler! Und Cellostimmen in anderen Partituren hat Mozart nur selten mit seiner Genialität übergossen. Was für eine Nachlässigkeit!

Doch neun Landesmusikräte bieten jetzt auch einem wie Mozart die Stirn. Sie haben das Violoncello nämlich zum „Instrument des Jahres 2018“ gekürt. Seit 2008 läuft dieses Projekt. „Ziel ist es, mit vielen begleitenden Aktionen Interesse für das Instrument und seine Bedeutung zu wecken”, heißt es dazu beim federführenden Landesmusikrat Brandenburg in Potsdam.

Das ist eine überfällige Entscheidung, werden Cellisten sagen. Das Instrument, das im Hauptregister am besten den Bereich der menschlichen Stimme abdeckt, hat derzeit richtiggehend Hochkonjunktur. „Es gibt nicht nur viele Cellisten”, sagt Andre Saad, „es gibt heute sogar nur noch gute Cellisten, die Ausbildung hat sich unglaublich verbessert.“

In Himmel blicken

Der Solocellist des Staatsorchesters steht in der Praxis dafür, wie universell das Instrument eingesetzt werden kann: „Es eignet sich als Begleitstimme, als Solostimme, als Bass, und es steht vor allem in der Oper für wunderschöne Kantilenen.“

Längst spielen Cellisten nicht mehr in einer geschlossenen Gesellschaft für klassische Musik. Auch Saad kann sich für Blues-Legende Jack Bruce begeistern: „Der hat das Cello in der Rockmusik hoffähig gemacht.“

Das Instrument erreicht einen Tonumfang von fast fünf Oktaven. Wie alle Streichinstrumente bauen sich die Spieler Eselsbrücken für die Stimmung der vier Saiten auf A-D-G-C. Ach du großes Cello, heißt eine, von der höchsten zur tiefsten. Oder, Caesar geht durch Athen, andersherum von unten her. Die Faszination des weiten Tonumfangs hat einmal ein Spieler so beschrieben: Du sitzt mit dem Cello im Souterrain des Orchesters – aber Du kennst den Weg zum Dachfenster, aus dem Du in den Himmel blickst.

Nach einer Cello-Welle in den 50er und 60er Jahren schwappt auch aktuell wieder eine Brandung auf die Musikschulen zu. Ulrike Machold in Westerstede, Lehrkraft an der Musikschule Ammerland, bestätigt das. Und sie führt kurz und knackig ein besonderes Argument an, das auch junge Menschen zum Erlernen anregt: „Mit dem Cello kann man früh in einer Gruppe spielen. Basslinien sind da sehr gefragt.“

Jungen befinden sich zwar keinesfalls im Hintreffen, aber manchmal scheinen gerade Mädchen das Ensemblespiel als Form besonderer sozialer Kontakte zu schätzen. Die Cellogruppe im Jugendorchester Oldenburg (JOO) zählte unlängst acht Instrumente – hinter sieben saßen Mädchen und junge Frauen.

Liebenswürdige Leute

Überhaupt besticht derzeit in der großen Musik die Cello-Frauenpower. Mögen so brillante und elegante Cello-Männer wie Yo Yo Ma oder Mischa Maisky den Ton angeben, die reine Ikone ist derzeit Sol Gabetta. Die Argentinierin wirkt mit ihrem Auftreten und mit ihrer Musikalität geradezu wie die Verkörperung des Cellos.

Und noch etwas: Cellisten sollen in die Kategorie der liebenswürdigsten Menschen fallen. Sie seien freundlich, gelten als humorvoll, optimistisch und zufrieden. Das sagen sie in angemessener Bescheidenheit natürlich nie von sich selbst. Aber sie hören es oft von Nicht-Cellisten.

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