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Institut in Oldenburg Damit die Kulturgüter der Ukraine gerettet werden können

Mitarbeiterinnen verpacken Kunstgegenständen zur Auslagerung in sicheren Depots mit Hilfe der vom UAAC gelieferten Schutzfolien und Kisten im Museum von Pokrowsk bei Donetsk, nahe der aktuellen Frontlinie.

Mitarbeiterinnen verpacken Kunstgegenständen zur Auslagerung in sicheren Depots mit Hilfe der vom UAAC gelieferten Schutzfolien und Kisten im Museum von Pokrowsk bei Donetsk, nahe der aktuellen Frontlinie.

privat

Oldenburg - Die Hilfe kann weitergehen. Mitten im Ukraine-Krieg ist wenigstens das eine gute Nachricht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) mit Sitz in Oldenburg. Quasi über Nacht hatte man hier im Frühjahr 2022 begonnen, mit Partnern aus ganz Europa Hilfsmaßnahmen für die Ukraine zu koordinieren. Ziel ist es, Kulturgüter und -einrichtungen vor Bombenangriffen, Feuer und Wasserschäden zu schützen. Drei Millionen Euro hatte die Staatsministerin für Kultur und Medien dafür im vergangenen Jahr zur Verfügung gestellt (Lesen Sie auch: „Hilfe für Kultur in der Ukraine kommt aus Oldenburg“). Jetzt gibt es eine Förderung vom Auswärtigen Amt in gleicher Höhe für weitere Hilfen. „Wenn man die Zerstörungen sieht, brauchte man eigentlich eher drei Milliarden“, ist Institutsleiter Matthias Weber erschüttert von dem Bild, das sich vielerorts bietet. Gleichzeitig aber weiß er: Mit diesen drei Millionen Euro können weitere wesentliche Hilfsmaßnahmen realisiert werden. „Dass wir das Geld bekommen haben, hängt mit dem Erfolg des vergangenen Jahres zusammen. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern haben wir es quasi aus dem Stand geschafft, wesentliche Kulturgüter zu sichern“, betont Beate Störtkuhl, die mit ihrem Kollegen Robert Born die Koordination im BKGE übernommen hat.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Gemeinsam mit dem Netzwerk Kunstschutz Ukraine/Ukraine Art Aid Center (UAAC), in dem Fachleute aus dem Museums- und Speditionswesen ehrenamtlich wirken, und der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft konnten seit März 2022 mehr als 500 Einrichtungen in der Ukraine mit Hilfsgütern beliefert werden. Was mit Feuerlöschern, Brandschutzendecken, Noppenfolie und Kartons begann, um so schnell wie möglich Kunstgegenstände schützen und an sichere Orte bringen zu können, hat mittlerweile weit größere Dimensionen angenommen: Stromgeneratoren, Luftbe- und -entfeuchter, OSB-Platten zum Abdichten zerstörter Fenster oder 3-D-Scanner finden ihren – nicht immer einfachen – Weg in die Ukraine. „Die Spediteure mit ihrem Know-how sind für uns ganz besonders wichtige Partner“, sagt Weber vor diesem Hintergrund. 1.500 Paletten mit rund 250 Tonnen Hilfsgütern sind in den vergangenen 15 Monaten gen Osten gestartet – und an den richtigen Stellen angekommen. „Zu wissen, dass nichts von dem, was zur Verfügung gestellt wird, irgendwo versickert, sorgt für eine enorm vertrauensvolle Zusammenarbeit.“

Kultur bewahren

Kunstgegenstände, Archive, archäologische Stätten, Bibliotheken, aber auch kulturelle Angebote zu bewahren, ist das Ziel des UAAC. „Das kulturelle Leben gibt den Menschen Halt“, beschreibt es Beate Störtkuhl. „Es hilft ihnen, dem Kriegsgeschehen eine Zeitlang zu entkommen.“ Jede kulturelle Veranstaltung, jedes Theaterstück, das – auch dank gelieferter Generatoren – gezeigt werden kann, ist gleichzeitig ein Beitrag zum Widerstand: „Die kulturelle Identität der Ukraine zu zerstören, ist ganz klares Kriegsziel Russlands. Indem wir helfen, die Kulturgüter zu bewahren, unterstützen wir den inneren Zusammenhalt der Ukraine“, macht Weber deutlich.

Wertvolle Hilfe

Die Bilanz der bisher schon zerstörten oder beschädigten Kulturstätten spricht eine deutliche Sprache: 1370 Kultur-Infrastruktureinrichtungen, 580 Baudenkmäler, 270 Kultbauten der unterschiedlichsten Konfessionen. Hinzu kommen die Schäden, die aus der Sprengung des Kachowka-Stausees und den damit verbundenen Überschwemmungen resultieren. Sie seien noch gar nicht absehbar, so Weber. Mit 3-D-Scannern unterstützt das BKGE Dokumentationsprojekte vor Ort. „Diese Aufnahmen ermöglichen eine detailgetreue Rekonstruktion zerstörter Gebäude“, erklärt Robert Born. Sie können beim Wiederaufbau wertvolle Hilfe leisten.

Die Energie, mit der das Team in Oldenburg die Ukraine unterstützt, hat die rein berufliche Ebene längst verlassen. Der Krieg, so sagen alle drei, habe sie betroffen gemacht und ratlos. „Diese Aufgabe ist nicht nur eine dienstliche, sondern wir machen das mit großem persönlichem Engagement.“

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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