Kreis Cloppenburg - „Was sind Malotten?“ Die Antwort auf diese Frage haben die Teilnehmer der Ausfahrt des „1. Oldtimer-Clubs Deutsche Fehnroute“ jüngst im Strohmuseum in Twistringen erfahren. Gemeinsam waren sie vom Parkplatz des Museumsdorfes über Nebenstraßen und durch kleine Dörfer durch die Landkreise Cloppenburg, Oldenburg, Vechta und Diepholz gefahren, die Route hatte Hans Tholen (Cloppenburg) ausgearbeitet.
Im Strohmuseum wurden die Besucher von Gästeführerin Roswitha Karl empfangen, die zunächst einen Einblick in die Geschichte der Strohverarbeitung und des Museums gab. Durch die gute Bodenbeschaffenheit wurden bereits um 1700 von Twistringer Bürgern Strohprodukte hergestellt. In den 30er Jahren war rund ein Drittel der Twistringer Bevölkerung in der Strohverarbeitung tätig. Der Ursprung zur Gründung des einzigen Strohmuseums in Deutschland geht auf eine Ausstellung im Jahr 1990 in Syke zum Thema „Unser Stroh in alle Welt“ zurück. Bereits 1992 wurde mit dem Bau des Twistringer Strohmuseums begonnen, und die offizielle Eröffnung fand 1998 statt.
Bei einem Rundgang zeigte Roswitha Karl die einzelnen Herstellungsschritte vom Mähen bis zur Verarbeitung. Viele Besucher erinnerten sich an einige der mehr als 100 Jahre alten Maschinen und Gerätschaften, besonders an die ersten Mähmaschinen und Mähdrescher. Hergestellt wurden in Twistringen Strohhüte, Strohtrinkhalme und die angesprochenen Malotten, die fast schon jeder gesehen hat. Es sind Strohhülsen zum Verpacken von Flaschen. Für die Twistringer galt zunächst der Wahlspruch: „Geiht use Stroh in alle Welt, ist et um Twustern god bestellt!“ Doch mit zunehmender Automatisierung und dem Ersatz der traditionellen Stroherzeugnisse hieß es bald: „Arbeitst in’n Stroh, warst dien Leben nich froh!“ Und so wurde Anfang der 1960er Jahre die Produktion fast völlig zurückgefahren.
Auf ein besonderes Interesse stieß die Herstellung eines Strohhutes während der Besichtigung durch eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Museums. Aber auch die oft negative Behandlung der Arbeiterinnen und Arbeiter, die in der Strohproduktion tätig waren, wurde thematisiert. Oft wurden Produkte wie Strohhalme in Heimarbeit von Frauen und Kindern hergestellt. 1935 erhielt ein Heimarbeiter für 1000 Trinkhalme 25 Pfennig. Und es war nicht selten, dass ein Abnehmer behauptete, dass die angeforderte Zahl nicht eingehalten wurde, um so den Preis zu drücken. Während des Rundganges wurde den Gästen die Herstellung der damaligen Hauptprodukte, die Herstellung der Strohhüte, der Malotten und der Strohtrinkhalme gezeigt und erklärt.
Nach einer gemeinsamen Kaffeetafel startete man zur Rückfahrt. Natürlich sorgten die liebevoll gepflegten Oldtimerfahrzeuge für Aufsehen. Und so gab es bei der Fahrt durch die Dörfer viele bewundernde Blicke.
